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Parlament stiehlt sich aus der VerantwortungSchulsozialarbeit bleibt ein Stückwerk

Der Adliswiler Gemeinderat hat die flächendeckende Schulsozialarbeit beerdigt. Die beiden Pole rückten von ihrer Meinung nicht ab.

Kommentar Marco Morosoli Von Marco Morosoli Adliswil – «Wir dürfen bei der Erziehung nicht sparen», rief Gemeinderat Ueli Gräflein (Grüne) am Mittwochabend bei der vierten Debatte (siehe Text unten) über die Schulsozialarbeit in die Aula Hofern in den Saal. Sein Votum verhallte im Nichts. Der Vorschlag der Schulpflege zur flächendeckenden Schulsozialarbeit scheiterte im Rat mit 13 Ja- zu 19 Nein-Stimmen letztlich klar. Er sah vor, den Etat um 1,42 Stellen zu erhöhen. Aber auch den von der FDP ins Rennen gebrachte «Light-Vorschlag» – mit einem Plus von 0,5 Stellen – schickte der Gemeinderat bachab. Die flächendeckende Schulsozialarbeit bleibt nach den negativen Entscheiden des Parlaments also weiterhin ein Wunschtraum der Schulpflege. Letzter Rettungsanker sind die Adliswiler Stimmbürger. Sie stimmen wohl 2011 über eine SP-Initiative zur Schulsozialarbeit ab. Vor dem Entschluss gab es einmal mehr eine längere Debatte. Die Schulpräsidentin Rita Rapold (CVP) hatte dabei mit grossem Einsatz für ihr Projekt gekämpft. «Haben Sie Mut, und springen Sie über Ihren eigenen Schatten», sagte sie auffordernd zu den Parlamentariern. Doch die Positionen waren längst bezogen. Fredy Morf (SVP), Sprecher der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK), sagte: «Die Schule hat die Vorgaben des Parlaments nicht berücksichtigt.» Das Gremium hatte weniger Stellen für die Dienstleistung zum Wohle der Schüler angeregt. Doch Rapold sah dies als untaugliche Lösung an, um in allen Schulhäusern die Schulsozialarbeit einführen zu können. Aber RGPK-Präsident Yannick Wettstein (FDP) warf der Schulpräsidentin vor, sich wie «auf einem Basar» zu verhalten, sagte aber auch: «Die heutige Situation ist unbefriedigend.» Die bürgerliche Parlamentsmehrheit wollte auch nicht auf einen von der SP eingebrachten Handel einsteigen. Die SP-Gemeinderätin Carmen Marty-Fässler versprach im Rat: «Wir ziehen die Initiative zurück, wenn der Rat auf die Linie der Schulpflege einschwenkt» Damit ist jetzt klar, dass sich das Parlament bald nochmals mit der Schulsozialarbeit befassen wird. Es muss noch eine Empfehlung zur SP-Initiative abgegeben. Kopfholz-Erweiterung steht Ohne Opposition genehmigte der Rat den Erweiterungsbau des Schulhauses Kopfholz. Die Schule sah ursprünglich vor, für den Erweiterungsbau 9,8 Millionen Franken aufzuwenden. Auf Geheiss des Gemeinderats wie auch des Stadtrats musste die Schule das Projekt noch einmal überarbeiten und um zehn Prozent verbilligen. Diesem Ansinnen ist die Schulpflege nachgekommen. Thomas Iseli (FDP) lobte als RGPK-Sprecher die Schulpräsidentin dafür: «Der Sparwille ist jetzt auch bei der Schule angekommen.» Der Gemeinderat befasste sich an der ersten Sitzung nach der Sommerpause zudem mit fünf Interpellationen. Sie wurden allesamt von den zuständigen Stadträten mündlich beantwortet. Kommentar, 5. Spalte Die Adliswiler Gemeinderäte sind mittlerweile allesamt Fachleute im Bereich Schulsozialarbeit. Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr haben sich die Milizparlamentarier nun viermal mit diesem Thema befasst. Das Ergebnis dieser Dauerdebatte ist jedoch ernüchternd. Weiterhin wird die Beratung der Schüler bei schulischen, persönlichen und familiären Problemen nur in drei der sechs Adliswiler Bildungshäuser angeboten. Schuld an dieser Situation ist einzig und allein der Gemeinderat. Sein Bekenntnis zur flächendeckenden Schulsozialarbeit erwies sich als der grösste gemeinsame Nenner und war im Nachhinein betrachtet nur gerade ein Lippenbekenntnis. Die Vorschläge der Schule wurden immer wieder abgelehnt. Die klamme finanzielle Situation der Stadt lasse es nicht zu, eine Luxuslösung anzustreben. Dabei lagen die Unterschiede zwischen den verschiedenen vorgelegten Varianten nur gerade im höheren fünfstelligen Bereich. Die von der Schule favorisierte Variante hätte 186 000 Franken gekostet. Der FDP-Vorschlag hätte rund die Hälfte davon verschlungen. Dieses vermeintliche Sparpotenzial ist durch die bisherigen Diskussionen mit immer neuen Vorschlägen sicher aber auch schon wieder verpufft. Jetzt wählt das Adliswiler Parlament den Hinterausgang. Das Volk soll bei der Abstimmung über die SP-Initiative zur Schulsozialarbeit ausbügeln, was der Gemeinderat fahrlässig verbockt hat. Lösungsorientierte Parlamentsarbeit sieht anders aus.

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