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Penetrant – genauso wie der Deutsche Thilo Sarrazin

UnverblühmtDer Bieler Lehrer Alain Pichard sass in Uster auf einem Diskussionspodium. Von Marcel Mathieu Uster – Unter dem Titel «Haben muslimische Kinder zu wenig Schulerfolg?» organisierte die Union der Arbeitenden eine Podiumsdiskussion in Uster. Der Anlass zum brennenden Thema hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Wenn es um die Schule und Integration von Migrantenkindern geht, gibt es in der Schweiz kaum einen kompetenteren Referenten als den Bieler Lehrer Alain Pichard. Insofern hatte der Moderator des Abends, Laurenz Steinlin, eine glückliche Hand, als er Pichard einlud. Schade nur, dass der Politiker bereits um neun Uhr abends wieder auf den Zug musste. Es war hingegen durchaus sein Verdienst, dass die Diskussion ihre Fortsetzung fand, als er bereits den Saal im Restaurant Poseidon verlassen hatte. Man hört Pichard gerne zu, wenn er aus der Praxis berichtet und die Widerwärtigkeiten des Schulalltags schildert – ungeschminkt und ungeschönt von politischer Überzeugung und philanthropischer Weltanschauung. So stellte er fest, dass man die Frage nach dem ungenügenden Schulerfolg von muslimischen Kindern bejahen müsse. Er sagte, dass unter den funktionalen Analphabeten auffallend viele Erwachsene mit Migrationshintergrund seien, die hierzulande die Schule besuchten. Pichard machte zudem deutlich, dass an Schulveranstaltungen, die sich an die Eltern richteten, vor allem jene mit muslimischen Wurzeln durch Abwesenheit und Desinteresse glänzten, und dass 90 Prozent aller albanischen Schulkinder in der tiefsten Schultstufe unterrichtet würden. Der Bieler machte zudem keinen Hehl daraus, dass vor allem Jungen mit muslimischem Hintergrund einem unbändigen Machismus anhingen, und dass es die Kinder der zweiten und dritten Generation nicht besser machten als ihre Eltern. Kein Schweizer Sarrazin Bis 2000 war Alain Pichard ein klassischer Linker und Anhänger der «Multikultifantasie». Heute erkenne er, dass es die Probleme anzusprechen gelte, wenn man sie lösen wolle. Auch wenn er in der Vergangenheit als «Nestbeschmutzer», als «politischer Halunke» und «Blochergeselle» verschrien wurde, hält er heute allen Anfeindungen stand und versteht sich als Anwalt der Migrantenkinder. Pichard wurde in der Diskussion nie polemisch und hütete sich, Ursachen im biologischen Umfeld zu suchen. So gesehen ist er eben keine Schweizer Ausgabe von Thilo Sarrazin. Mit dem Deutschen verbindet ihn nur die Tatsache, dass er den Finger ganz penetrant auf den wunden Punkt hält. Einfache Rezepte kann er indessen keine anbieten. Die müssten interdisziplinär aufgearbeitet werden. Er selber könne nur in seinem Umfeld wirken. Das sei und bleibe die Schule, die fördere und vor allem auch fordere. Kleines Echo Wie erwähnt: Dem Abend hätte man ein weit grösseres Echo gegönnt. Es kamen wenige – und jene, die kamen, hatten fast alle einen Migrationshintergrund. Es waren Personen, die sich Fragen stellen, solche, die nach Lösungen, Antworten und Massnahmen suchen. Mit solchen Menschen sitzt man gerne zusammen und tauscht sich aus, ganz egal, aus welcher Weltgegend sie stammen und wie auch immer sie ihren Gott nennen – wenn sie denn einen haben.

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