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Protegierte Plünderer

Von allen Obszönitäten, die sich die Potentaten aus den ärmeren Hemisphären dieses Planeten leisten, ist der Klau von öffentlichen Geldern und Entwicklungsmilliarden aus dem Westen wohl die niederträchtigste. Die Kleptokraten bereichern sich persönlich – und ihre Clans. Zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar im Jahr schaffen sie aus ihren Ländern. Sie waschen das Geld, legen es auf Nummernkonten oder investieren es in fette Autos und luxuriöse Immobilien. Recht ungestört bisher. Nun aber regt sich etwas – vielleicht ist es der Beginn einer Revanche für die geschröpften Völker. Die Schweiz versucht, sich mit der «Lex Duvalier» von der liebsten Adresse der Diktatoren zur Pionierin im Kampf gegen deren Raubgelder zu wandeln. Und in Frankreich läuft eine Ermittlung, von der die befreundeten Autokraten aus Afrika glaubten, sie würden sie nie erleben. So sicher fühlten sie sich. Beschützt vom alten System wechselseitiger Gefälligkeiten zwischen den Herrschern in den ehemaligen Kolonien und der früheren Metropole Paris, bekannt als «Françafrique» – eine oft unanständige und geheime Politik, mit der dasÉlysée seit Charles de Gaulle Einfluss und Interessen in Afrika zu wahren sucht. Die Franzosen stützen meist jene undemokratischen Regimes, die ihnen Treue und Rohstoffe verheissen. Nun aber ordnete das Oberste Gericht eine Untersuchung gegen drei afrikanische Staatschefs und deren Familien an, die in Frankreich Dutzende Immobilien und über 100 Bankkonten besitzen. Neu daran ist, dass die Justiz nach der Klage einer Nichtregierungsorganisation aktiv geworden ist, von Transparency International. Bisher brauchte es für ein solches Verfahren eine Klage aus einem Herkunftsland. Doch das ist gerade in jenen Staaten illusorisch, in denen die korrupten Dynastien noch immer an der Macht sind und ihre Völker gängeln. Selber wären die Potentaten immun. Ihre Familien aber nicht. Und so ist den ausgebeuteten Völkern zu wünschen, dass sie wenigstens etwas Gerechtigkeit erfahren. Vielleicht reift imÉlysée dann auch die Erkenntnis, dass seine anrüchige Politik im einstigen Hintergarten der Zeit und des Selbstbilds als Heimat der Menschenrechte spottet. KommentarFrankreich-Korrespondent Oliver Meiler über die Ermittlungen gegen afrikanische Potentaten.

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