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Raser blamiert die Polizei

Niemand ist vor Fehlern gefeit – auch die Kantonspolizei nicht. In Aarwangen blitzte sie einen Raser. Doch verzeigt haben die Beamten danach einen Mann, der im Wallis auf einer Alp lebt und gar nie in Aarwangen war.

Dicke Post in diesen Sommertagen für einen älteren Mann aus dem Wallis. Die Berner Kantonspolizei erstattet Strafanzeige gegen ihn wegen «massiver Geschwindigkeitsübertretung»: In der Nacht auf den 26. Juli soll er im über 200 Kilometer entfernten Aarwangen – erlaubte Höchstgeschwindigkeit 50 – mit 74 km/h durchgerast sein. Es droht sogar der Entzug des Führerausweises. Aus allen Wolken gefallen Der vermeintliche Temposünder, der schon seit 30 Jahren unfallfrei unterwegs ist und höchstens einmal eine Bagatellbusse kassierte, fällt aus allen Wolken. Er fährt nämlich mittlerweile einen langsamen Jeep und lebt abgeschieden auf einer Walliser Alp. «Ich gehe nur noch selten ins Unterland, letztmals war das im April der Fall», erklärt der 60-jährige Walliser, der nicht mit seinem Namen genannt werden möchte, in einem Schreiben an diese Zeitung. Also wehrt er sich und macht Einsprache. Nummer falsch abgelesen Mit Erfolg. Die Polizei hat jetzt einen Rückzieher machen müssen. Sie entlastet den Bergler vollständig: Er sei zu Unrecht belangt worden, es habe sich um eine «Falschablesung der Kontrollschilder» gehandelt. Polizeisprecher Stefan von Below entschuldigt sich: «Wir werten pro Jahr mehrere Hunderttausend Geschwindigkeitskontrollen aus, da kann halt einmal ein Fehler passieren. Aber das ist sicher ein Einzelfall.» Nur ein Einzelfall? Ein bisschen anders sieht das Niklaus Zürcher, Direktor des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS) mit Sitz in Bern: «Das kommt immer wieder einmal vor, uns sind jedenfalls ähnliche Fälle bekannt.» Er hat zwar ein «gewisses Verständnis» dafür, dass es bei der Auswertung zu Fehlern kommen kann. Was er hingegen nicht versteht: «Dass man bei gravierenden Übertretungen nicht zweimal hinschaut – immerhin gehts da um hohe Bussgeldbeträge oder sogar um Ausweisentzüge.» Sünder bleibt im Dunkeln ACS-Chef Zürcher rät denn auch allen Fahrzeuglenkern, die überzeugt sind, dass sie fälschlicherweise vom Radar erfasst wurden, sich zu wehren. «Alle haben die Möglichkeit, sich mit einer Einsprache rechtliches Gehör zu verschaffen.» Ausser ihrem peinlichen «Lesefehler» bleibt der Berner Kantonspolizei noch ein anderes Problem: Den wirklichen Temposünder in der besagten Juli-Nacht konnte sie bislang immer noch nicht ausfindig machen. Stefan Aerni >

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