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Rechtsrutsch im Kantonsrat: SVP legt weiter zu – auch dank ehr-Effekt Rechtsrutsch im Kantonsrat

Der Angriff auf Hans Fehr hat der SVP zusätzlich Auftrieb verschafft. Die FDP kann ihre Talfahrt bremsen – im Gegensatz zur SP. Das sagt die erste Isopublic-Umfrage zu den Kantonsratswahlen im April.Der Angriff auf Nationalrat Hans Fehr vor dem Albisgüetli hat der SVP zusätzlichen Auftrieb verschafft. Und die FDP kann ihre Talfahrt bremsen – im Gegensatz zur SP. Das sagt die erste Isopublic-Umfrage zu den Kantonsratswahlen im April.

Von Ruedi Baumann Zürich – Am wenigsten Freude am Umfrageergebnis hat SVP-Parteipräsident Alfred Heer. «Gute Resultate bei Umfragen sind Gift für die Mobilisierung der Basis.» Das sind allerdings Luxusprobleme. Die meisten anderen Parteien – mit Ausnahme von FDP und GLP – gehören zu den Verlierern. DieSVP legt 1,4 Prozentpunkte zu. Da die Umfrage exakt eine Woche vor und eine nach der Albisgüetlitagung mit dem Angriff auf Nationalrat Hans Fehr durchgeführt wurde, ist auch eine Aussage zum «Fehr-Effekt» möglich. «Die SVP hat nach der Attacke ein paar Zehntelprozentpunkte hinzugewonnen», sagt Isopublic-Geschäftsführer Matthias Kappeler. Weiter fällt auf: Die SVP hat vor allem bei den Jungwählern zugelegt. Wähler unter 45 und solche über 45 wählen fast zu gleichen Anteilen SVP. Kappeler: «Da spielt der Wertkonservativismus der Jungen mit, aber auch die Tendenz, dass ein EU-Beitritt bei den Jungen nicht zieht.» DieSP verliert nach dem Desaster 2007 erneut, aber weniger. Auffallend ist, dass die SP bei älteren Wählern besser ankommt als bei jungen. Gemäss Matthias Kappeler kann das am neuen SP-Programm liegen. «Die Forderung nach Überwindung des Kapitalismus kommt bei den Jungen kaum gut an.» Für die Zürcher SP sei nun entscheidend, ob sie «weiterhin Wähler abschrecke», so Kappeler, oder mit aktuelleren Themen punkte – zum Beispiel mit der Migration. «Die SP-Wähler sind, das zeigen auch andere Umfragen, stark verunsichert.» DieFDP kann 0,3 Prozentpunkte zulegen. Bei keiner anderen Partei ist die Wählerschaft so heterogen: Vor allem ältere und gut verdienende Männer wählen FDP. «Das war schon immer so und ist kein Zeichen, dass der FDP die Wähler wegsterben», sagt Kappeler. DieGrünen verlieren nach der kontinuierlichen Steigerung der letzten Jahre erstmals wieder ein bisschen. Vom Wählerpotenzial her sind die Grünen klar eine junge Partei, die deutlich mehr jüngere als ältere Wähler anspricht. Die Grünliberalen (GLP) legen sechs Jahre nach der Gründung nochmals leicht zu. «Der grüne Block insgesamt wird sehr stark bleiben», sagt Kappeler. Interessante Frage im Wahlkampf: Grast die GLP bei den Grünen, der SP oder auch bei FDP oder CVP? DieCVP verliert leicht, liegt aber immer noch über dem Stand von 2003. Das 2007er-Spitzenergebnis wird mit dem «Leuthard-Effekt» erklärt. Deutlich verliert dieEVP. Allerdings hatte keine Partei in den letzten 24 Jahren eine derart stabile und treue Wählerbasis wie die EVP. DieEDU verliert zwar leicht, dürfte aber auch 2011 die 5-Prozent-Hürde in einem Wahlkreis schaffen. DieAL legt zu und wird wohl auch 2011 im Kantonsrat vertreten sein, weil sie im Stadtzürcher Wahlkreis 4/5 die Hürde locker erreicht (2007: 9,3%). Schafft dieBDP die 5-Prozent-Hürde? «Eher nicht», meint Matthias Kappeler. Im Moment sei die Widmer-Schlumpf-Partei im Kanton Zürich «praktisch inexistent». Die BDP müsste am ehesten im Bezirk Uster – Präsident Lothar Zjörjen ist in Dübendorf Stadtpräsident – oder in einem der kleinen Bezirke mit hohem SVP-Wähleranteil die Hürde schaffen. Auch für dieSD gilt: nur geringe Chancen auf die 5-Prozent-Hürde. Prognose: EVP verliert 3 Sitze Das neue Zürcher Wahlverfahren mit «doppeltem Pukelsheim» und 5-Prozent-Wähleranteil in mindesten einem Wahlkreis erschwert die direkte Umrechnung der Umfrage in Kantonsratssitze. Adrian Herzog vom Statistischen Amt hat trotzdem einen Rechenversuch gewagt: SVP und GLP gewinnen je zwei Sitze, FDP und AL je einen – SP, Grüne und CVP verlieren je einen, die EVP verliert 3?Sitze. Herzog geht aufgrund der Umfrage davon aus, dass die EVP die Hürde gut schafft, da sie 2007 in Winterthur-Land und Pfäffikon auf über 9 Prozent kam. Die EDU erreichte 2007 in Hinwil 7,55 Prozent, also könnte es auch 2011 reichen. Für SP-Präsident Stefan Feldmann ist das Umfrageergebnis «nicht zufriedenstellend». Die SP werde nun in einem aktiven Wahlkampf mit der Wohn-Initiative und dem Steuergesetz-Referendum zugunsten von Familie und Mittelstand um das Vertrauen der Stimmbürger werben. GLP-Co-Präsident Thomas Maier ist erfreut, «dass die Grünliberalen weiterhin zulegen». Er glaubt sogar, dass das Potenzial seiner Partei noch grösser sei. In der Umfrage seien Parteien, die einen Regierungsrat stellen, bevorzugt. Allerdings könnte das auch für den Wahlkampf zutreffen. Der grüne Co-Präsident Philipp Maurer ist überzeugt, dass die GLP nicht auf Kosten der Grünen zulegen. Denn die Grünliberalen hätten «bisher noch keine Nägel eingeschlagen». Video-Interviewmit Martin NotteriPhone: Tagi-App aufTA+Mobile: SMS mit Text Plus an 4488

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