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Reichtum interessiert ihn nicht

Robert Heuberger?Der Winterthurer Immobilienkönig spendet 600 000 Franken für Jungunternehmer. Von Mario Stäuble 200 Franken für die Sozialwerke von Pfarrer Sieber. 2000 Franken für den Zoo Zürich. 20 000 Franken für die Kids Charity Gala in Weinfelden TG. Insgesamt 670 200 Franken und 15 Rappen – so viel haben Robert Heuberger und seine Frau Ruth letztes Jahr für wohltätige Zwecke gespendet. Der 89-jährige Patron sitzt in seinem Family Office am Kopfende des Sitzungstisches und sagt ohne Bescheidenheit: «Dieser Betrag ist für unsere Verhältnisse eher niedrig.» 2011 will der Winterthurer Unternehmer erheblich mehr ausgeben. Heuberger stiftet zum fünften Mal den «Heuberger Winterthur Jungunternehmerpreis». Die Auszeichnung gehört in der Schweiz zu den bestdotierten Preisen für Start-ups. Heuberger hat dieses Jahr die Preissumme aufgestockt. 600 000 Franken sind im Topf. Die drei Hauptgewinner bekommen je 150 000 Franken; die Viert- bis Sechstplatzierten erhalten je 50 000 Franken als «Trostpflaster», wie Heuberger sich ausdrückt. Junge Unternehmen aus der ganzen Deutschschweiz können teilnehmen, aber Lokalpatriot Heuberger hat eine Sonderregel eingebaut: Ein Drittel des Preisgeldes geht auf ein Sperrkonto. Freigegeben wird es nur, wenn der Gewinner es in der Region Winterthur investiert.Geld ist für Heuberger vor allem Mittel zum Zweck: «Ich habe mich nie fürs Reichwerden interessiert. Was mich gereizt hat, sind Herausforderungen – etwas zu schaffen, was andere nicht hinkriegten.» Dieser Ehrgeiz zeigte sich schon früh. In der Schule waren seine Zeugnisse voller Einsen – in den 30er-Jahren noch die bestmögliche Note. Als 17-jähriger Lehrling wurde er Interims-Bankdirektor, weil seine Vorgesetzten an die Front mussten: Der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen. Den Grundstock seines Vermögens schuf Heuberger nach dem Krieg als Vertreter der Basler Versicherungen in Frauenfeld. Mit seinem Bankerwissen half er Kunden, Bauvorhaben zu finanzieren. Innert drei Jahren erwirtschaftete er sich einen Bonus von 200 000 Franken, womit er 1954 die Siska (Sichere Schweizer Kapitalanlagen) gründete. Heute, 57 Jahre später, beläuft sich der Wert seines Immobilien-Portefeuilles, zu dem unter anderem vier Einkaufszentren und zwei Hotels gehören, auf ungefähr 1 Milliarde Franken.Heuberger steht auch im Alter von 89 Jahren frühmorgens auf, um eine Stunde lang auf dem Hometrainer und im privaten Schwimmbad zu trainieren. Danach setzt er sich an die Schreibmaschine. Zurzeit beschäftigen ihn seine Memoiren, die er zusammen mit dem Ems-Chemie-Chronisten Karl Lüönd verfasst.Heuberger kommuniziert offensiv, nicht nur im wohltätigen Bereich. Der Wille zur Transparenz gründet in einer politischen Provokation: 1984 hatte ihm die städtische SP unterstellt, er sei ein Spekulant, der in Winterthur keine Steuern abliefere. Heuberger legte daraufhin kurzerhand seine Zahlen offen. Seither schickt er seinen Geschäftsbericht an Politiker und Medien. So auch dieses Jahr. Die Siska hat mit 14,5 Millionen Franken einen Rekordgewinn erzielt. Heuberger ist zufrieden mit dem Ergebnis, aber stolz ist er aus anderem Grund: Doris Leuthard hat das Patronat für seinen Jungunternehmerpreis übernommen. Wie gelang es ihm, die Bundesrätin zu überzeugen? Heuberger muss lachen: «Frau Leuthard, mein Geschäftsführer und ich haben etwas gemeinsam: Wir sind ursprünglich Aargauer.»

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