Zum Hauptinhalt springen

Schön allein, das reicht ihr nicht

Annette Douglas entwirft raffinierte und technologisch wegweisende Stoffe. Die Textildesignerin arbeitet schon seit Jahren für internationale Produzenten – doch dem Schweizer Publikum war sie bislang kaum bekannt.

Von Ulrike Hark Eine romantische Ecke ist das hier, denkt man, wenn Annette Douglas einem ihr Atelier auf dem Gelände der ehemaligen Spinnerei Wettingen zeigt. Das alte Kloster ist in Sichtweite, unten fliesst die Limmat in einem beschaulichen Bogen vorbei, und die ausgedienten Gebäude der Textilfabrik gruppieren sich anmutig zum historischen Ensemble. Doch die Stoffe von Annette Douglas sind hochmodern und experimentell. Und das kommt daher, weil sich die 39-jährige Schweizerin mit britischen Wurzeln nicht mit dem begnügt, was schön ist, sondern das sucht, was unmöglich scheint. Zarte Gewebe in Weiss und Beige liegen da auf ihrem Arbeitstisch, nur ein Hauch von etwas, doch es sind hochpotente Funktionsstoffe. Auf Deutsch: Sie schlucken Schall. Das allein wäre noch nicht spektakulär, aber dass sie transparent sind, Licht durchlassen und gleichzeitig Schall absorbieren, macht sie einmalig; derzeit gibts in der Schweiz nichts Vergleichbares. Für Schulen oder Büros, aber auch für Restaurants und Hotels eröffnen sich mit diesen durchsichtigen Stoffen ganz neue innenarchitektonische Möglichkeiten. Annette Douglas ist keine, die mit Pauken und Trompeten von ihren Erfolgen spricht, obwohl sie für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet wurde und als selbstständige Textildesignerin schon seit über zehn Jahren für Stoffproduzenten und Stoffverlage im In- und Ausland Vorhang- und Möbelstoffe entwirft – für Fischbacher und Weisbrod, für Création Baumann oder Ulf Moritz. Ausserdem arbeitet sie für eine indische Seidenfirma in Bangalore, «die wollen meine europäische Handschrift», erklärt Douglas. Dazu gibts von ihr noch Bettwäsche bei Interio und Duschvorhänge bei Spirella. Nur ihren Namen, den kennt man offiziell nicht. Der versteckt sich immer hinter der jeweiligen Firma. Das Los aller Textildesigner. Was die Webmaschine hergibt Doch auf diese «Silent-Space-Collection; by Annette Douglas Textiles Acoustics ®» ist sie jetzt schon ein wenig stolz. «In diese Richtung möchte ich weiterentwickeln», sagt sie. Die technische Seite eines Stoffes fasziniert sie. Was liegt alles drin? Was kann ich aus einer Webmaschine herausholen? Die Produzenten müssen sich da teilweise recht kritische Fragen gefallen lassen, wenn sie finden, «das geht aber nicht».Zweieinhalb Jahre lang hat Douglas die Akustikvorhänge entwickelt, zusammen mit der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in Dübendorf und St. Gallen und dem Textilproduzenten Weisbrod in Hausen am Albis ZH. Unterstützt wurde das Innovationsprojekt von der Innovationsförderagentur KTI des Bundes. Im April soll die neue Linie auf den Markt kommen.Als Besucherin würde man nun gern auf die neue Vorhang-Kollektion für Atelier Pfister zu sprechen kommen, denn die Fenster daheim hätten neue, luftige Kleider nötig. Aber Annette Douglas ist noch nicht fertig mit den Funktionsstoffen. Da läuft sie zu Hochform auf, da wird sie grundsätzlich: «Die Schweizer Hersteller dürfen sich nicht nur mit dem Produzieren schöner Stoffe begnügen, auf diesem Gebiet ist die Konkurrenz viel zu gross!» Die Chance des Schweizer Textilschaffens liege in der technischen Innovation, kombiniert mit anmutigem Design, findet sie. Die gute alte Ingenieurkunst klingt da durch, welche die Schweiz einst einmalig machte. Wo aber bleibt bei aller Technik, webtechnischer Experimentierlust und feinem Gespür für das Material die Schönheit? Die ergibt sich daraus. Modisches Flair ist sozusagen die Gratisbeigabe, das muss man als Textilfrau ohnehin haben. Auffallend ist bei Annette Douglas ihre Vorliebe für florale Muster, die sie aber immer raffiniert abstrahiert und so auf eine neue, sachliche Ebene transportiert. Sie selber trägt nicht nur an diesem Tag schlichtes Schwarz-Weiss, eine weisse Bluse unter einer schwarzen Strickjacke mit einer schwarzen Combathose und Turnschuhen. Sec und rational wirkt das. Dazu eine schwarze Kette aus Lederkugeln, als hätte jemand Oliven aufgereiht. «Ich neutralisiere mich, damit ich mich nicht ablenke und mein Sensorium voll auf die Arbeit richten kann», sagt sie. Daheim schläft sie übrigens in weisser Bettwäsche, keine Farbe, kein Dekor. «Designneutral» – so lebe sie in ihrer Wohnung im Zürcher Kreis 3. Vorhänge für Pfister Das Qualitätsempfinden für Stoffe und den «Sinn für einen schönen Griff», wie sie es nennt, habe sie von der Familie mitbekommen. Schon ihr Grossvater war Chef eines Spinnmaschinen-Herstellers, ihr Vater Keith Douglas arbeitete im Textile Engeneering bei Zellweger in Uster. Ihre Entwürfe zeichnet sie nur selten auf Papier, «ich mache sie damit», sagt sie. Textil ist weich, Papier ist steif – wie soll das gehen? «Papier inspiriert mich immer von Neuem – wie es sich faltet, wie es sich biegt und wölbt, wie es geschnitten und geprägt werden kann und noch so vieles mehr.» Das Ergebnis steckt in dicken Musterbüchern. Annette Douglas schlägt die Schatztruhe auf – und da sind sie, die Schönen und Glänzenden, die Glamourösen und Extravaganten. Jacquard-Gewebe vom Feinsten, Goldfäden, die sich kräuseln, Velours-Stränge, die sich quer durchs Gewebe pflügen. Exotische Blüten, gedruckt, kleine Wunder. Wie stellt man so etwas bloss her? Wobei wir wieder bei der technischen Seite wären.Aber die hatten wir schon – lieber zu den Atelier-Pfister-Vorhängen! Schliesslich sind sie es, die den Namen Douglas erstmals in die Öffentlichkeit rücken. Was übrigens nicht bei allen bisherigen Auftraggebern gut ankommt, «aber da muss man durch», sagt Douglas. Pfister, dieser etwas behäbig wirkende Riese, lancierte im letzten Herbst seine neue, freche Linie von Schweizer Designern, mit der man den Sprung in die Wohnungen einer arrivierten Kundschaft schaffen will. Bisher läufts so gut, dass der Kopf des Projekts, Alfredo Häberli, auf die Suche ging nach neuen Talenten, zum Beispiel Annette Douglas. Aber wie das so ist bei Neuheiten kurz vor der Markteinführung: Geheimnis! Geheimnis! «Natürlich werden die Blumen nicht fehlen», sagt Annette Douglas nur. Ende Sommer wissen wir mehr. Dann kommen die Vorhänge in die Pfister-Filialen. www.douglas-textiles.ch «Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiterlesen ist nicht erforderlich.» «Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiterlesen ist nicht erforderlich.» Der Sinn für hochwertige Stoffe liegt in der Familie: Annette Douglas mit Musterbögen. Foto: Dominique Meienberg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch