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Schwerzenbacher bremsen ihren Gemeinderat

Der Gemeinderat will, dass Schwerzenbach wächst und nicht zum Durchfahrtsort wird. Das Volk ist damit nicht einverstanden.

Von Pia Wertheimer Schwerzenbach – Auf dem Reissbrett der Regionalplaner steht fest: Sie wollen die Agglomeration von Zürich entwickeln – sie soll wachsen. Auch in Schwerzenbach. Aber: «Die Bevölkerung hat davon genug», sagt Thomas Aepli von der Arbeitsgemeinschaft Wohnliches Schwerzenbach (AWS). Diese Haltung brachten die Schwerzenbacher Stimmbürger auch an der Gemeindeversammlung vergangene Woche zum Ausdruck. Sie schickten mit 107 Nein- zu 87 Ja-Stimmen den Gestaltungsplan Zimikerriet (siehe Grafik) bachab. Damit wollte Implenia auf einem Areal längs der Bahnlinie eine Grossüberbauung erstellen. In rund 200 Wohnungen hätten 450 bis 500 Personen einziehen können. Auf dem Industrieland steht heute ein Werkhof. Wie die Zukunft des Implenia-Areals aussehen wird, ist nun unklar. «Wir nehmen den Entscheid mit Bedauern zur Kenntnis», sagt Implenia-Sprecher Philipp Bircher. Der Baudienstleister werde nun mit der Gemeinde die Gründe für die Ablehnung analysieren und zu einem späteren Zeitpunkt über das weitere Vorgehen informieren.Die AWS hatte den Gestaltungsplan im Vorfeld genau unter die Lupe genommen und Einwendungen gemacht. «Wir haben vor allem die Änderungen der Zufahrt und der Parkplätze des benachbarten Fussballplatzes beanstandet.»Die Bauherren und die Gemeinde hätten diesen Einwendungen Rechnung getragen – in seinen Augen aber nur unzureichend. So sei die Zufahrt zum Parkplatz nur einspurig geplant gewesen. Und weil die Autolenker keine Sicht auf den Parkplatz gehabt hätten, wäre sinnloser Mehrverkehr entstanden.In einer weiteren Einwendung gab die AWS zu bedenken, dass mit einer derartigen Überbauung die Gefahr bestehe, dass die Infrastruktur der Gemeinde an ihre Grenzen stosse. Und hier drückt der Schuh. Denn dies war die Hauptsorge der Stimmbürger an der Gemeindeversammlung und wohl auch der Hauptgrund für die Abfuhr. Kehrtwende des Volks Die Schwerzenbacher vollziehen mit ihrem jüngsten Entscheid eine Kehrtwende, denn im Juli 2008 standen die Weichen noch auf Wachstum: Die Gemeindeversammlung genehmigte damals den Gestaltungsplan Im Vieri. Damit ermöglichte sie eine Überbauung mit 188 Wohnungen. Die Siedlung der Personalvorsorge des Kantons Zürich liegt südwestlich des Bahnhofs. Im Juli 2007 teilte der Schwerzenbacher Gemeinderat mit, dass er den Gestaltungsplan für das Projekt Ifang-Park mit 100 Wohnungen in unmittelbarer Bahnhofsnähe verabschiedet hat. Wie beim Gestaltungsplan Zimikerriet lag das Gebiet in der Industriezone.«An der letzten Gemeindeversammlung ist der Eindruck entstanden, dass der Gemeinderat an den Schwerzenbachern vorbeiplant», rügt nun Thomas Aepli von der AWS. Wachstum nicht zu verhindern Gemeindepräsident Benno Hüppi (SVP) hält dagegen: «Die zentrale Frage ist nicht, ob wir wachsen wollen.» Wenn es Schwerzenbach nicht tue, täten es die Nachbargemeinden. «Wir müssen uns die Frage stellen: Wollen wir, dass die Leute bei uns wohnen oder bei uns durchfahren.» Es sei nicht die Strategie des Gemeinderates, partout extrem zu wachsen. «Verfügt eine Gemeinde in unserer Gegend aber über eingezontes Land, kommt sie um ein Wachstum nicht herum.» Den Schwerzenbacher Gemeinderat habe das Nein erstaunt, denn die Behörde habe die Einwendungen ernst genommen. «Es gab zudem keine negativen Aktionen gegen das Vorhaben.» «Wir sind überrascht, dass die Emotionen derart mobilisiert werden konnten.» Hüppi bedauert, dass die Gemeinde nun eine Chance verwirkt habe, mitzubestimmen, was auf dem Areal geschehe. «Legt uns Implenia nun ein Projekt vor, das den Bauvorschriften entspricht, müssen wir es bewilligen.»

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