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Seeverschmutzung gerade noch verhindert

Wegen eines Chemieunfalls verfärbte sich der Meilemer Dorfbach auf mehreren Hundert Metern weiss. Der Sachschaden beträgt über 100 000 Franken.

Von Christian Dietz-Saluz Meilen – Am Dienstagmorgen um 9.30 Uhr meldete eine Passantin die starke Gewässertrübung im Dorfbach auf der Höhe des Schulzentrums Allmend. Die Feuerwehr Meilen errichtete sofort eine Bachsperre und versuchte gleichzeitig, den Verursacher ausfindig zu machen. Die ersten Symptome liessen auf Betonschlacke schliessen. «Wir haben alle Baustellen oberhalb des Bachtobels abgeklappert», sagt Stabsoffizier Peter Bösch. Im Hallenbad, das gerade komplett umgebaut wird und noch bis Mai geschlossen ist, wurde die Feuerwehr fündig. Dort wurde Epoxidharz aus mehreren 200-Liter-Fässern in einen Kanalschacht geleert. Der Mehrkomponenten-Kunststoff wurde zum Fugendichten der Plättli im Bassinbereich verwendet. Ein Blick in die Einsatzunterlagen der Feuerwehr machte deutlich, dass es sich mit einem ph-Wert von 12 um eine hoch alkalische Lösung handelt. «Dort wurde klar, dass wir es nicht mehr mit einer Gewässerverschmutzung, sondern mit einem Chemieunfall zu tun hatten», sagt Peter Bösch. Zu kalt für Abscheidung Beim Umgang mit dem Epoxidharz ist den Bauarbeitern offenbar ein doppelter Fehler passiert. Zum einen führt der Schacht, in den sie die Fässer entleert haben, nicht in die Kanalisation. Vielmehr handelt es sich um einen Meteorwasserschacht. Der mündet nach rund 200 Metern in den Meilemer Dorfbach. Zum anderen haben die Schuldigen keine ungefährliche, vom giftigen Teil der Lösung abgesonderte Brühe entsorgt, sondern die unveränderte giftige Mischung. Die Abscheidung funktioniert nämlich nur bei deutlichen Plus-Temperaturen. Tatsächlich herrschten in der Nacht und gestern Vormittag aber Minusgrade. Um den Schaden zu beheben, startete die Feuerwehr eine Materialschlacht. Mit den Bachsperren gelang es ihr glücklicherweise, die milchigweisse Flüssigkeit noch vor der Einmündung in den Zürichsee zu stauen. Gleichzeitig begann sie, den Bach leerzupumpen. Das kontaminierte Wasser wurde von Tanklastwagen in eine Spezialfirma für die Entsorgung der Giftbrühe abgeführt. Ein Fachmann des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) war vor Ort und prüfte regelmässig den Kontaminationsgrad des Wassers im Bach. Vermutlich kein Fischsterben «Die Verschmutzung machte erhebliche Reinigungsarbeiten nötig», sagt Stefan Dunst vom Awel. Nur so könnten bleibende Schäden an der Umwelt verhindert werden. Immer wieder musste der gesamte Lauf des Dorfbachs gespült und das verschmutzte Wasser wieder abgesaugt werden. Auch die waldige Böschung des Tobels – jeder Stein in Bachnähe – wurde sorgfältig von Fachmännern gewaschen. Dieser Einsatz zog sich bis in den späten Dienstagnachmittag hinein. Folgeschäden – abgesehen vom immensen Material- und Entsorgungsaufwand in der Höhe eines sechsstelligen Betrags – dürften abgewendet worden sein. Da keine toten Fische entdeckt wurden, liegt die Annahme nahe, dass sich im fraglichen Abschnitt des Bachs derzeit keine Fische aufhalten. Wären sie da gewesen, wären sie jetzt wohl tot. Für die Bevölkerung bestand wegen des Chemievorfalls keine Gefahr. Epoxidharze sind Polymere. Sie verändern ihre Struktur je nach Zusammensetzung und Verhältnis von Harz die Härte so langsam, dass man sie als zähe Flüssigkeiten verarbeiten und dann aushärten lassen kann. Das Ergebnis ist ein stabiler und chemikalienbeständiger Kunststoff. Ein wichtiger Anwendungsbereich ist deshalb die Verwendung als Klebstoff. Dieser wird flüssig aufgetragen und verbindet nach dem Aushärten andere Kunststoffteile, Metall und Beton.(TA) Mit Bachsperren gelang es der Feuerwehr, das Gift im Meilemer Dorfbach rechtzeitigzu stoppen, bevor es in den Zürichsee floss.Foto: Markus Heinzer (Newspictures.ch)

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