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Segelflieger dürfen nicht mehr auf dem Küsnachter Berg starten

Zumiker, die sich durch den Lärm von Modellflugzeugen gestört fühlten, haben vor dem Bundesgericht einen Sieg errungen.

Von Michel Wenzler Küsnacht/Zumikon – Hoch hinaus gingen die Modellflieger – bis vors Bundesgericht, der höchsten richterlichen Instanz in der Schweiz. Doch dort haben sie jetzt eine Bruchlandung erlitten: Die Interessengemeinschaft Segelflugschlepp und die Modellfluggruppe Erlenbach erhalten keine Bewilligung für einen auf drei Jahre befristeten Flugplatz auf der Leuenwis unterhalb des Küsnachter Weilers Limberg. Damit ist ein vierjähriger Rechtsstreit beendet, bei dem es um die Frage ging, wie sehr der Lärm der Flugzeuge die Umwelt stört. Jahrelang hatten Aviatik-Freunde mit Erlaubnis des Eigentümers die Wiese als Start- und Landeplatz für ferngesteuerte Segelflugzeuge genutzt, und zwar nicht für kleine Flieger, sondern für Grossmodelle mit Spannweiten ab 4,5 Metern, die mithilfe von motorbetriebenen Flugzeugschleppern 300 Meter in die Luft gebracht wurden. Flugverbot statt Flugplatz Dass die Modellflugfans 2006 bei der Gemeinde Küsnacht eine baurechtliche Betriebsbewilligung für drei Jahre beantragten, um die 100 Meter lange und 15 Meter breite Graspiste offiziell als Flugplatz zu nutzen, wurde ihnen zum Verhängnis. Statt der erhofften Bewilligung erhielten sie nämlich von der Gemeinde und der kantonalen Baudirektion ein Flugverbot. Das liessen die Hobbyflieger aber nicht auf sich sitzen: Sie zogen den Entscheid weiter und forderten eine Ausnahmebewilligung für den Flugbetrieb: Während 15 Samstagen pro Jahr sollte dieser erlaubt sein. Die kantonale Baurekurskommission hatte ein Einsehen mit den Modellfliegern – nicht aber einige Einwohner aus dem Zumiker Tobelhusquartier, das sich einen Kilometer Luftlinie von der Startpiste entfernt befindet. Diese Anwohner fühlten sich durch den Lärm der Motorflugzeuge gestört, welche die Segler in die Höhe ziehen. Sie fochten das Urteil an und erhielten beim Verwaltungsgericht recht – worauf die Modellflieger ans Bundesgericht gelangten. Das höchste Gericht stützt nun die Argumentation des Verwaltungsgerichts. Für die Anrainer sei der Einsatz von Motoren während des Starts mit erheblicher Lärmbelastung verbunden. Die Erhaltung der spärlich besiedelten Umgebung als Erholungsraum überwiege die Interessen der rund 40 Modellflieger. Immerhin würden die Immissionen beim Start 86 Dezibel betragen, und die kleinen Motorflugzeuge würden bei einer Flughöhe von 300 Metern ein grosses Gebiet beschallen. Dies sieht der Männedörfler Peter Wunderli von der IG Segelflugschlepp nach wie vor anders. «Das Gebiet ist nicht dicht besiedelt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass man den Lärm so weit hört.» Den Entscheid des Bundesgerichts findet er nicht nachvollziehbar. Einen alternativen Standort hat die IG noch nicht gefunden. Gemäss Wunderli wird die Suche wohl schwierig werden. Zwar gibt es in der Region Pfannenstiel andere Startplätze – etwa denjenigen der Modellfluggruppe Erlenbach beim Schützenstand Schmitteneich in Herrliberg. Doch dort kommen keine Flugzeuge mit Verbrennungsmotoren zum Einsatz. Die Flieger werden stattdessen mithilfe einer Winde in die Luft gebracht, was kaum Lärm verursacht. Reklamationen habe es deshalb nie gegeben, sagt Präsident Andreas Schwerzmann aus Männedorf. Im Gegenteil, der Standort existiere seit 40 Jahren und sei rundum akzeptiert. Signal gegen Segelflieger Mit dem Entscheid der höchsten Richter in Lausanne kann Andreas Schwerzmann leben. «Der Limberg wäre aber ein toller Ort für Modellflugzeuge», sagt er. Das Gelände liege in einem Kessel, in dem jeweils sehr gute Winde entstünden. Allerdings beschäftigt Schwerzmann weniger die Enttäuschung um den verlorenen Standort, sondern das Signal, welches das Bundesgericht aussendet. «Der Entscheid könnte negative Auswirkungen auf andere Klubs haben, die an anderen Orten einen Start- und Landeplatz suchen.» «Das Urteil könnte negative Auswirkungen auf andere Klubs haben, die einen Start- und Landeplatz suchen.» Andreas Schwerzmann

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