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Sekundarschule in Uetikon stösst die Gewerbler und die Schulpflege vor den Kopf

Die Uetiker Schule will die Schnuppertage mit dem Gewerbeverein nicht mehr durchführen. Das sorgt nicht nur bei den Gewerblern für Kopfschütteln.

Von Lucien Scherrer Uetikon – Gewerbetreibende bekunden an der Goldküste zunehmend Mühe, qualifizierten Nachwuchs zu rekrutieren. Kein Wunder: Wo ein Gymi-Abschluss das Mass aller Dinge ist, gelten handwerkliche Berufe bestenfalls als Verlegenheitslösung. In Uetikon hat der lokale Gewerbeverein (GVU) in den letzten fünf Jahren versucht, diesem Trend entgegenzuwirken. Zusammen mit der Sekundarschule wurden jeweils im März «Berufserkennungstage» organisiert. Wobei den Schülern Gelegenheit geboten wurde, während zweier Tage in mindestens zwei Berufen zu schnuppern und praktische Erfahrungen zu sammeln. Eine gute Sache, wie Gewerbevereinspräsident René Ferrat und der damalige Seklehrer Matthias Frei im Juni in einem Interview mit der Dorfpostille «Blickpunkt» bekräftigten: «Bis jetzt», sagte Ferrat, «haben wir von beiden Seiten durchwegs positive Reaktionen erhalten.» Frei pflichtete ihm bei: «Das sehe ich genauso.» Doch jetzt, kaum ein halbes Jahr später, ist die Harmonie zwischen Schule und Gewerbe gestört. Denn die Schule hat dem GVU kürzlich per Mail mitgeteilt, dass man kein Interesse mehr an den Berufserkennungstagen habe – jedenfalls in der heutigen Form. «Praxis statt grauer Theorie» Ein Entscheid, der im Gewerbeverein für Kopfschütteln gesorgt hat. René Ferrat drückt es diplomatisch aus: «Ich finde es sehr schade, dass die Schule keine Zusammenarbeit mehr wünscht.» Die Lehrer hätten ihm erklärt, dass man in den Schnuppertagen mehr Theorie wünsche, etwa in Form von Vorträgen. Doch mit grauer Theorie kann man nach Ansicht der Gewerbetreibenden niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. «Die Schüler sollen keinen trockenen Unterricht erhalten, sondern den Alltag in einem Betrieb kennen lernen», sagt Ferrat. Zudem sei es nicht jedermanns Sache, Vorträge zu halten. Das fördere die Bereitschaft der Gewerbler, sich an der Aktion zu beteiligen, bestimmt nicht. Der Sanitär- und Heizungsspezialist hofft jedoch, dass das letzte Wort in Sachen Berufserkennungstagen noch nicht gesprochen ist. Denn: «Wir sind an einer Zusammenarbeit mit der Schule nach wie vor sehr interessiert.» Tatsächlich stehen die Chancen gut, dass 2012 wieder geschnuppert werden kann. Denn die Schulpflege ist über den Schritt der Lehrerschaft gar nicht erfreut. Die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem GVU erfolgte nämlich weder mit ihrer Zustimmung noch mit ihrem Wissen. «Das entspricht nicht den Gepflogenheiten», sagt Schulpräsident Christoph Alder (SP). Doch auch grundsätzlich passt es der Schulpflege gar nicht, dass die Gewerbler vor den Kopf gestossen worden sind. Zumal es zu den Zielen der Behörde gehört, die Gräben zwischen der Schule und der Bevölkerung zu kitten, die durch Unterrichtsreformen und personelle Wechsel entstanden sind. Gerade die Zusammenarbeit mit dem Gewerbe erachtet Christoph Alder als «sehr wichtig, weil sie zur Vernetzung der Schule gehört». Zu pfannenfertig serviert Die Schulpflege hat bereits Massnahmen ergriffen, um die Wogen zu glätten: Ein Brief an den GVU ist unterwegs, in dem der Wille zur weiteren Zusammenarbeit bekräftigt wird. Alder betont aber, dass das Ganze «neu definiert» werden müsse. Da in der Sek grosser Wert darauf gelegt wird, eigenständiges Handeln zu fördern, sollen die Schüler künftig selber auf jene Betriebe zugehen, die sie interessieren. Bisher sei ihnen alles etwas zu «pfannenfertig» serviert worden – was der Motivation offenbar nicht immer zuträglich war.

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