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«Sie müssen zuhören können»

Es reicht bei einer Gesprächsführung nicht aus, sich gut vorzubereiten. Wichtig ist das Zuhören und improvisieren. «Es ist keine Kunst, sondern ein Handwerk», sagte Rundschau-Moderator Urs

Er verteilt das Büchlein «Findet mich das Glück?» von Peter Fischli und David Weiss im Publikum, einige lesen daraus kurze Fragen wie: «Soll ich alles verschenken und als Bettler durch die Welt ziehen?» oder «Wohin steuert die Galaxis?». Fernsehmoderator Urs Leuthard verlangt sogleich eine Antwort. Alle lachen. «Sehen Sie, das ist schon ein Teil meines Handwerks: Unter den Gesprächsteilnehmern will ich als Moderator eine lockere Atmosphäre schaffen», erklärt Leuthard den etwa 50 Anwesenden in der Kächschür Oberdorf. Auf die Frage kommt es an Hiezu bringt er eine Filmsequenz aus seiner Sendung des Schweizer Fernsehens, «Classe politique» vom 13. Dezember 2007, als Eveline Widmer-Schlumpf erklärte, sie nehme die Wahl zur Bundesrätin an. «Toni Brunner, wie geht es Ihnen», fragte Urs Leuthard den damaligen SVP-Vizepräsidenten. «Ich hatte auch schön schönere Tage», sagt dieser. Und nicht mehr. Man könne den Beginn eines Gesprächs mit der Fragestellung beeinflussen. «Hätte ich anders gefragt, dann hätte Toni Brunner nicht mehr mit dem Reden aufgehört», sagt Leuthard. Er kommt auf die zweite Phase im Ablauf einer Moderation zu sprechen. «Jetzt signalisiere ich, dass diskutiert wird, jeder hat Gelegenheit, sich zu äussern.» Dieses Vorgehen untermalt Leuthard mit Beispielen aus der Sendung «Arena». «Sie merken, das ist nicht eine Kunst, sondern ein Handwerk», stellt Leuthard fest. Das absolut Wichtigste daran: «Das A und O der Moderation ist: Sie müssen den Leuten zuhören können», meint Leuthard. Eine Struktur im Ablauf eines Gesprächs sei gut. «Noch wichtiger ist dann das Improvisieren», sagt er. Eine halbe Stunde im Wald «Wie ist das, wenn Ihnen das Gesicht eines Gesprächsteilnehmers nicht passt?», will ein Zuhörer wissen. «Auch wenn das komisch tönen mag: Als Moderator müssen Sie die Leute lieben, das ist eine Grundvoraussetzung», sagt Leuthard. «Wie bereiten Sie sich auf die Sendung vor?» «Ich informiere mich über die Leute und das Thema, von zehn A4-Seiten bleiben drei A5-Zettel übrig, die ich in der Sendung bei mir habe», antwortet er. Man könne sich auch zu viel vorbereiten, das sei heute bei ihm nicht mehr der Fall. «Ich gehe vor der Sendung in Leutschenbach lieber eine halbe Stunde in den Wald und denke an nichts», meint Leuthard. Zwischendurch gibt er auch Anekdoten zum besten. «Einmal kamen Leute nach einem Apéro in die Sendung, einige kippten unter der Hitze der 80 Scheinwerfer weg, weil sie zu viel Weissen getrunken hatten.» Und am Schluss erinnert er an einen Satz, den er im Museum für Kommunikation in Bern gelesen habe, und der auch heute gelte: «Wer gut zuhört, hat mehr vom Leben». Walter Morgenthaler >

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