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Sondereinheiten schwitzten in der Kiesgrube

55 Polizeigrenadiere aus Zürich und Deutschland massen gestern an einem Wettkampf in Glattfelden ihre Kräfte. Dabei sorgte ein Tennisball für den entscheidenden Unterschied.

Glattfelden. - Das Death Valley liegt in einer Kiesgrube in Glattfelden. Tief unten kommen sogar die Skorpione ins Schwitzen. Es sind die Männer der gleichnamigen Sondereinheit der Stadtpolizei Zürich, die aneinandergebunden über Stock und Stein rennen. Auf Kommando stürzen sie einen steilen Abhang hinunter, nur um auf der anderen Seite des Canyons wieder mühsam hinaufzukraxeln. Es ist der letzte Abschnitt auf einem Parcours, den die Polizeigrenadiere an diesem drückend heissen Nachmittag absolvieren. Die Stadtzürcher sind auf Einladung der Sondereinheit der Kantonspolizei ins Unterland gereist.

Auch die kantonale Spezialeinheit - Bestand um die 100 Mann - trägt einen martialischen Namen: Diamant. In der Öffentlichkeit haben die Polizeigrenadiere eigentlich kein Gesicht. Bis an die Zähne bewaffnet, mit Kevlarweste und Spezialhelm geschützt, sind in der Regel nur die Augen erkennbar, die aus den Schlitzen der Sturmmasken hervorschauen. Das ist am alljährlich stattfindenden Gruppenwettkampf der Sondereinheiten anders. Zwar legen die Polizisten aus Sicherheitsgründen Wert darauf, dass sie nicht in Grossaufnahme in der Zeitung erscheinen. Doch sind sie für einmal bereit, etwas aus der schützenden Anonymität zu treten.

Bei bis zu 40 Grad müssen sie auf einem Parcours beweisen, dass sie sich trotz körperlicher Höchstanstrengung konzentrieren können. Für diese Herausforderung ist nicht etwa Tenue légère mit kurzen Hosen angesagt. Gestartet wird vielmehr im «Sack», wie der schwarz-blaue Einheitslook der Sondereinheiten mit langer Arbeitshose im Polizeijargon heisst.

«Killerdisziplin»: Zielwerfen

Nach kräftezehrendem Lauf über die Kieshügel gilt es drei gezielte Schüsse aus der Dienstwaffe abzugeben. Wer aus sieben Metern Distanz die faustgrosse schwarze Scheibe verfehlt, muss eine Strafrunde rennen. Beim nächsten Posten gilt es - völlig ausser Atem -, ein dreidimensionales Puzzle zusammenzusetzen. Der Schweiss rinnt den Männern in die Augen, während sie versuchen, farbige Plastikteilchen zum Würfel zu formen.

Als «Killerdisziplin», wie es ein Teilnehmer formuliert, erweist sich eine auf den ersten Blick eher einfache Aufgabe. Nach einem 100-Meter-Sprint soll ein Tennisball in einen wenige Meter entfernt stehenden Kübel geworfen werden. Wer nicht trifft, muss es erneut versuchen, während die Kontrahenten bereits zum nächsten Posten rennen. Das psychologische Moment sei nicht nur beim Zielwurf, sondern auch im Ernstfall entscheidend, betont ein Instruktor. So hat das spielerische Element des Gruppenwettkampfs einen todernsten Hintergrund. Denn auch bei einer Geiselnahme müssen die Polizeigrenadiere trotz Stress kühlen Kopf bewahren, um Schlimmeres zu verhindern.

Verschwitzt und mit hochroten Köpfen treffen die elf Gruppen im Ziel ein. Den Gewinnern winkt als Wanderpreis eine Hellebarde. Letztes Jahr konnten die Diamanten jubeln, dieses Mal sind es die fünf Vollprofis vom Sondereinsatzkommando (SEK) Baden-Württemberg. Die Skorpione landen auf dem neunten Platz.

Der älteste Polizeigrenadier, der dieses Jahr am Gruppenwettkampf mitgemacht hat, ist 42 Jahre alt. Zufrieden schlendert er mit den anderen Teilnehmern zu den Mannschaftstransportern. Eine offizielle Alterslimite gebe es nicht, sagt er. «Irgendwann merkt man selber, dass man die Stiefel an den Nagel hängen sollte.»

Der Gruppenwettkampf erforderte Geschicklichkeit und ein geübtes Auge. Knacknuss war der Zielwurf mit Ball.

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