Zum Hauptinhalt springen

Sonovas turbulente Geschichte Boom, Hybris, Krise: Die turbulente Geschichte von Andy Rihs’ Sonova

Unterzeile (max. 2-zeilig) Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiterlesen ist nicht erforderlich. Der Aufstieg der 1966 vom Vater übernommenen Hörgerätefirma aus Stäfa hinter der Zürcher Goldküste ist gezeichnet von Hoch und Tiefs, von einer misslungenen Nachfolge und dem Aufstieg zum Marktleader.

Von Andreas Flütsch Letztes Jahr genoss der Hörgerätekonzern aus Stäfa hinter der Zürcher Goldküste den frisch erworbenen Status als Weltmarktführer. Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2010 hatte Sonova den Umsatz um 18 Prozent auf 1,5?Milliarden Franken gesteigert, die Marge lag bei traumhaften 28 Prozent. Fragen, was die Wachstumstreiber waren, bügelte Sonova-Chef Valentin Chapero nieder: «Das kümmert mich nicht». Hybris kommt vor dem Fall. Seit der verspäteten Gewinnwarnung vom 16.?März hat Sonovas Börsenwert fast 30?Prozent verloren. Chapero und sein Finanzchef mussten den Hut nehmen. Der jüngste Eklat gleicht der Krise im Jahr 2002. Andy Rihs, der Gründer und langjährige Chef von Sonova, hatte sich 2000 auf das Präsidium zurückgezogen. Sein Nachfolger war den Herausforderungen nicht gewachsen. Zudem liess das Platzen der New-Economy-Börsenblase die Nachfrage nach Hörgeräten stocken. Rihs musste den Nachfolger absetzen und wieder selbst das Ruder übernehmen. 2002 ging damals mit drei Gewinnwarnungen als das schlechteste Jahr in Sonovas Geschichte ein. Rihs’ gescheiterter Rückzug hatte viel Wert vernichtet. Im Herbst 2000 war Sonovas Börsenwert 4 Milliarden, zwei Jahre später 760 Millionen Franken. «Ooni Lüüt gaat nüüt» Im zweiten Anlauf traf Rihs mit Chapero, den er dem damaligen Marktleader Siemens abwarb, eine glückliche Wahl. Der gebürtige Spanier, in Deutschland aufgewachsen, baute die mittelständische Sonova zum Weltkonzern aus. Was die Verdienste von Andy Rihs nicht schmälert, der die 1947 von französisch-belgischen Investoren gegründete Kleinfirma 1966 vom Vater übernahm, mit seinem Bruder Hans-Ueli und Beda Diethelm. Rihs und Chapero pflegen einen sehr unterschiedlichen Stil. «Ooni Lüüt gaat nüüt» war Rihs’ Devise. Er bot seinen Leuten für die damalige Zeit geradezu paradiesische Arbeitsbedingungen: mit offenen Büros, mit Lichthof, mit vertraulichem Du und gemeinsamen Freizeitaktivitäten. Rihs sah sein Unternehmen als «klassenlose Gesellschaft».Chapero dagegen sind Wohlfühlfirmen ein Gräuel. Rihs holte und hielt gute Leute mit Wertschätzung. Kein Wunder: In den Aufbaujahren zahlte Sonova nach eigenen Angaben schlecht, nachher marktgerecht.Das Beispiel Sonova zeigt exemplarisch, welchen Kraftakt der Aufstieg zum Mittelständler und der Gang 1994 an die Börse erforderte. Im Geschäftsjahr 1995/96, also erst dreissig Jahre nach Rihs’ Einstieg, machte die Firma 132 Millionen Franken Umsatz. Obwohl Rihs schon damals kräftig in die USA und nach Kanada expandierte. Das grosse Verdienst von Rihs Truppe war, dass sie das ungeliebte Hörgerät zum modischen Accessoire, zum Hightechgerät und Hörcomputer weiterentwickelt haben.Als Chapero die Führung übernahm, schrieb Sonova rote Zahlen. Wichtige Trends wie die Digitalisierung waren zögerlich angepackt worden, desgleichen die Entwicklung von Hörcomputern für das mittlere und untere Preissegment. Im obersten Luxussegment klaffte eine Lücke. Sonova hatte sich an der Übernahme von Unitron verschluckt, die Produkte der Kanadier floppten. Anstatt Sonova auf dem wichtigen US-Markt voranzubringen, war Unitron ein Klotz am Bein, die damals 2400 Mitarbeiter waren verunsichert.Chapero, der aus München nach Stäfa zog, weil er hier der Chef sei und mehr bewegen könne, weckte die Firma aus ihrer Selbstzufriedenheit auf: «Ihr seid viel zu sehr mit euch selbst beschäftigt.» Seine sehr direkte Ansprache sorgte zu Beginn für Widerstand, bis die Belegschaft die Herausforderung annahm. Auch in der Geschäftsleitung, die Chapero mit Unterstützung der Berater von Egon Zehnder weitgehend erneuert hatte, wurden Diskussionen viel härter geführt. Chapero machte zudem Schluss mit dem aus seiner Sicht übertriebenen Schweizer Perfektionismus. Die Käufer von Hörgeräten interessiere es nicht, wo die Schrauben herkämen. Alles, was im Kampf um Rang 1 nicht matchentscheidend war, wurde ausgelagert. Dafür wurden Marketing und Verkauf verstärkt, die Entwicklung neuer Produkte forciert. Nachfolger gesucht, zum Dritten 2005 kündete Chapero an, Sonova wolle in fünf Jahren an die Weltspitze und eine Milliarde Umsatz machen. 679 Millionen Franken war der Umsatz 2004/05. Ein ehrgeiziges Ziel, das er vorzeitig erreichte, obwohl die Übernahme des dänischen Konkurrenten Resound für 3,3 Milliarden Franken am Widerstand des deutschen Kartellamts scheiterte. Jetzt ist Sonova Marktleader, leidet aber an den Verdauungsbeschwerden zweier übernommener Implantatefirmen. Chapero ist weg, und Rihs muss erneut einen Nachfolger suchen. «Ooni Lüüt gaat nüüt», war Rihs’ Devise. Seinem Nachfolger Chapero war das «Wohlfühlklima» dagegen ein Gräuel. Im Sonova-Hauptsitz in Stäfa wird ein Hörgerät montiert. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch