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Stadtrat von Uster greift tief in die Tasche

Der Stadtrat will in vier Grossprojekte investieren. Nicht alle Parteien goutieren diese Pläne.

Von Eduard Gautschi Uster – Der Stadtrat von Uster schlägt neue Töne an: «Uns geht es finanziell so gut, dass wir uns wieder einmal etwas Ausserordentliches leisten können», lautet die Botschaft seiner jüngsten Medienmitteilung. Ende 2010 betrug das Eigenkapital der Stadt 129 Millionen Franken, das Nettovermögen 70 Millionen Franken. Nach den neuen finanzpolitischen Zielen des Stadtrats darf das Nettovermögen nicht unter 35 Millionen sinken. Somit stehen dem Stadtrat nun rund 35 Millionen Franken für Investitionen zur Verfügung. Diesen Spielraum will er nutzen. Laut Stadtpräsident Martin Bornhauser (SP) stehen folgende vier Grossprojekte auf der Investitionsliste: die Sanierung und Erweiterung des Hallenbads (25 Mio. Franken), der Neubau des Schulhauses Krämeracker (28 Mio.), der Neubau des Kultur- und Tageszentrums beziehungsweise Neubau des Stadthofsaals (20 Mio.) und der Aus- respektive Neubau des Stadthauses (20 Mio.). Wie Finanzvorstand Werner Egli (SVP) sagt, hat der Stadtrat die Projekte unter die Lupe genommen. Daraufhin beschloss er, der Sanierung und Erweiterung des Hallenbads erste Priorität einzuräumen. «Sanieren hätten wir das Hallenbad sowieso müssen», sagt Egli. Mit dem Plan, das Hallenbad zum Schweizerischen Leistungszentrum Schwimmen auszubauen, seien viele Hoffnungen geweckt worden. Dass sich das Projekt nicht wie geplant verwirklichen liesse, habe viele Benutzer enttäuscht. Bad mit Wellnessbereich Gemäss Mitteilung des Stadtrats wird das Hallenbad Buchholz ein 50-Meter-Becken erhalten. Wie Stadträtin Esther Rickenbacher (SP) ausführt kommt ein Wellnessbereich dazu. Dort soll für Massage, Sauna, Kneippen, einen Kraftraum und Erlebnisduschen Platz reserviert werden. «Dieses Angebot ist als Ergänzung zum Badebetrieb gedacht.» Bornhauser ist überzeugt, dass ein 50-Meter-Becken eine spürbare Entlastung des Bads mit sich bringt. «Wir haben zu wenig Wasserzeit», sagt Bornhauser. Das Hallenbad wird täglich von 500 bis 600 Menschen besucht, Schulen nutzen das Angebot, und der Schwimmclub Uster Wallisellen trainiert dort. Warum der Ausbau des Bads nun erste Priorität hat, erklärt Finanzvorsteher Egli: «In den letzten Jahren sind grosse Projekte verwirklicht worden.» In den Bau eines Schulhauses und in den Ausbau des Altersheims Im Grund sei Geld geflossen. «Jetzt investieren in ein Projekt, von dem die ganze Bevölkerung profitieren kann.» 25 Millionen Franken seien dabei das Kostendach. Es wäre schön, wenn Sponsoren gefunden würden. «Das wäre eine Aufgabe der Vereine», sagt Egli. Nun will der Stadtrat den Wettbewerbskredit festsetzen und dem Parlament vorlegen. Das Volk wird wegen der hohen Kosten an der Urne über das Vorhaben entscheiden. Eine Umfrage zeigt, dass die Sanierung bei den Fraktionspräsidenten unumstritten sein dürfte. Anders sieht es beim Wellnessbereich aus: Gemeinderat Thomas Wüthrich (Grüne): «Der Bau und Betrieb einer Wellnessanlage gehört kaum zu den Kernaufgaben der Stadt.»Ins gleiche Horn stösst Gemeinderat Ruedi Gysi (SVP). Er hat gegen den Bau eines zusätzlichen Schwimmbeckens nichts einzuwenden. «Ob auch ein Wellnessbereich geschaffen werden muss, ist aber fraglich. Das ist reiner Luxus.» Er sei erstaunt darüber, dass die Stadt nun plötzlich Geld für solche Projekte habe. Paradox findet er, dass offenbar Millionen für den Ausbau des Hallenbads vorhanden sind, andererseits aber die Parkplätze bei der Sportanlage Buchholz Gebührenpflichtig werden. Investitionen sind nun planbar Cla Famos, Präsident der FDP/CVP-Fraktion bezeichnet den Entscheid des Stadtrats, vier Grossprojekte zu priorisieren, als «grundsätzlich gut». «Aus finanzpolitischer Sicht ist das sicher ein Fortschritt. Jetzt wissen wir, was ansteht, die Investitionen sind planbar.» Etwas verwundert habe ihn, dass der Stadtrat das Hallenbad dem Neubau des Schulhauses Krämeracker vorgezogen hat. «Auch dafür ist der Bedarf ausgewiesen.» Zu dem vom Stadtrat vorgeschlagenen Ausbau des Hallenbads, insbesondere das 50-m-Becken und den geplanten Wellnessbereich, werde sich die FDP dann im Gemeinderat äussern. Jetzt würden erst Absichtserklärungen des Stadtrats vorliegen und nicht das Projekt. Balthasar Thalmann, Fraktionschef der SP: «Auch wir haben die anstehenden Grossprojekte unter die Lupe genommen.» Der Bedarf nach einem Ausbau sei beim Hallenbad gegeben, aber auch der Neubau des Schulhauses Krämeracker und der Ausbau des Stadthauses müssten vorangetrieben werden. «Das Geld ist laut Stadtrat ja vorhanden, der Bedarf ausgewiesen, warum will der Stadtrat die Projekte etappieren?» Stadthausprojekt streichen Skeptisch äussern sich die Grünliberalen. Gemeinderat Benno Scherrer schreibt in einer Mitteilung, dass er zwar die Priorisierung befürwortet, dem Ausbau des Hallenbads aber skeptisch gegenüberstehe. Das sei Wunschbedarf. Mehr Wasserfläche sei erwünscht. Fragezeichen setzt er aber hinter die Kosten von 25 Mio. Franken. Den Ausbau des Stadthauses will er streichen. Rolf Denzler, SVP-Fraktionspräsident, steht der Sanierung und dem Ausbau des Hallenbades positiv gegenüber. «Wir werden das Projekt im Gemeinderat prüfen. Wellness liegt im Trend. Damit lässt sich bei geschickter Planung sicher auch Geld verdienen.» Grundsätzlich hinterfragt er die Ausgabepolitik: «Das Nettovermögen besteht aus Steuern, die auf Vorrat eingezogen wurden. Man könnte also den Steuerfuss senken.» Der Ausbau und die Sanierung des Ustermer Hallenbads steht auf der Investitionsliste des Stadtrats zuoberst. Foto: Beat Marti

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