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Sterbetourismus: Hier prallen Welten aufeinander

Der Kantonsrat will organisierte Sterbehilfe für Ausländer nicht verbieten. Dies entschied er nach einer zeitweise emotionalen Debatte.

Von Liliane Minor Zürich – Ganz ohne Sympathien blieb die Volksinitiative der EDU gestern im Kantonsrat nicht, obwohl die Niederlage in der Schlussabstimmung vernichtend war: 126 Kantonsräte sprachen sich gegen das Begehren aus, nur 29 waren dafür: EDU, EVP und vereinzelte aus der SVP. Die Volksinitiative mit dem Titel «Nein zum Sterbetourismus im Kanton Zürich» fordert, dass Beihilfe zum Selbstmord an Personen, die weniger als ein Jahr im Kanton Zürich wohnen, verboten werden soll. Einige Parlamentarier aus anderen Fraktionen gingen mit der EDU darin einig, dass der Sterbetourismus ein Problem sei; immerhin habe eine Studie der Uni Zürich im September gezeigt, dass zwei Drittel der Bevölkerung diesen ablehnten, wie mehrere Kantonsräte erwähnten. Urs Lauffer (FDP, Zürich) sprach von einem gewissen «Missbehagen» in dieser Sache. Die EDU-Volksinitiative sei aber der falsche Weg: «Es ist mir völlig unerklärlich, wie man auf die Idee kommen kann, den Sterbetourismus kantonal regeln zu wollen.» Auch SP und GLP sprachen sich gegen eine kantonale Regelung aus. Es bringe nichts, mit einer eigenen Regelung vorzupreschen, wenn auf Bundesebene ein Gesetz nahezu fertig ausgearbeitet sei, sagte Maleica-Monique Landolt (GLP, Zürich). Ausserdem sei die Initiative rechtswidrig, weil sie in die alleinigen Kompetenzen des Bundes eingreife. EDU und EVP gaben sich hingegen überzeugt, dass der Kanton ein Sterbetourismus-Verbot erlassen könne, wenn er nur wolle. Und für ein solches Verbot gebe es gute Gründe. «Sterbetourismus ist die pervertierteste Form der Suizidhilfe», sagte Heinz Kyburz (EDU, Männedorf). «Die Menschen sterben hier rasch, anonym und ohne Würde.» Das schade auch dem Ansehen des Kantons Zürich im Ausland. «Eine Gabe Gottes» Auch wenn die Sterbehilfe gestern nicht grundsätzlich zur Debatte stand, entwickelte sich im Verlauf des Morgens dennoch streckenweise eine Grundsatzdebatte. Und hier prallten Welten aufeinander. «Menschliches Leben ist eine Gabe Gottes, sie beginnt mit der Zeugung und endet mit dem natürlichen Tod», sagte Hans Peter Häring (EDU, Wettswil). Deshalb dürfe man nicht einfach nach Belieben über seinen Tod bestimmen. Kyburz warf der Ratslinken vor, «wegzuschauen, wenn Menschen sich umbringen». Matthias Kestenholz (SP, Zürich) entgegnete sichtlich aufgewühlt: «Wenn Sie nicht wegschauen würden, wüssten Sie, dass grosses Leid verhindert werden kann, wenn Suizidhilfe möglich ist.» Er warf der EDU vor, bloss das Image des Kantons aufpolieren zu wollen; ethische Gründe, die gegen die Sterbehilfe an Ausländern sprächen, habe er noch keine gehört. Chancenlos blieb im Rat ein Kompromissvorschlag der CVP, die als Gegenvorschlag ein kantonales Gesetz anregte, das die organisierte Sterbehilfe regelt, um nicht auf den Bund warten zu müssen. «Die Erfahrungen mit dem Hundegesetz haben gezeigt, dass der Kanton Zürich viel schneller und besser legiferieren kann als der Bund», sagte Christoph Holenstein (Zürich). Die CVP stand mit ihrem Minderheitsantrag allerdings nahezu allein da, nur die EVP unterstützte sie, alle anderen Fraktionen waren dagegen. Der Antrag ging mit 123:36 Stimmen unter. Kommentar Seite 2 Kämpfen gegen die Sterbehilfe: Die EDU-Kantonsräte. Im Vordergrund Hans Peter Häring (l.) und Heinz Kyburz.Foto: Reto Oeschger

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