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Sträucher als Juristenfutter

Meilemer Nachbarn streiten sich seit fünf Jahren um elf Sträucher. Gestern nun vor dem Bezirksgericht.

Von Frank Speidel Meilen – Stünden die Pflanzen anderswo, wären sie ein namenloses Gestrüpp. Jene elf Pflanzen aber, die zwei Meilemer Grundstücke trennen, haben in den letzten fünf Jahren für erbitterten Streit unter Nachbarn gesorgt. Die Pflanzen wurden gezählt, und sie wurden botanisch bestimmt – es handelt sich um vier Buchsbäume, zwei Kirschlorbeerbäume und fünf Eiben. Sie wurden vermessen, fotografiert, und es wurden Dossiers für jede Gattung angelegt. Die Pflanzen würden ihr die Seesicht rauben, meint die Klägerin, die juristisch gegen vier Bewohner des Nachbargrundstücks vorgeht. Ihre Forderung hat ihr Anwalt gestern klargemacht: «Ein Teil der Bäume ist zu stutzen, ein weiterer zu versetzen, und andere sind ganz zu entfernen.» Die Bäume seien «unter der Schere zu halten» – so nennt man das regelmässige Schneiden von Hecken, zu dem Nachbarn gemäss geltendem Recht verpflichtet sind.Zu den Buchsbäumen hat der Anwalt auf eine Dissertation verwiesen: «Pflanzen im Nachbarrecht». In diesem Werk sei festgehalten, dass Buchsbäume, die auf aufgeschüttetem Boden stehen, stärker gestutzt werden müssten als solche auf herkömmlichem Boden. Für jede Pflanze gebe es eine rechtlich zulässige Höhe. Ob der Boden, auf dem die Buchsbäume im Meilemer Fall stehen, tatsächlich aufgeschüttet ist, soll ein Gutachten klären, forderte der Anwalt. In dem ganzen Paragrafen-Dickicht wurde gestern auch eine Parabolschüssel zum Thema. Eine solche hat die Klägerin im Garten. Es handelt sich um eine stattliche Schüssel, beträgt ihr Durchmesser doch mehr als zwei Meter. Dank den elf Bäumen bleibe seinem Mandanten der Anblick der Schüssel erspart, sagte der Anwalt eines Beklagten. Die Bäume würden die Seesicht der Nachbarin nicht stören. Die Definition einer Hecke Ein Urteil hat das Bezirksgericht gestern noch nicht gefällt. Sie wolle einen Augenschein vor Ort nehmen, sagte die Richterin. Dann werden sich wohl weitere Fragen klären. Zum Beispiel, ob es sich bei den Buchsbäumen um eine Hecke handelt, wie die Beklagten behaupten. Rechtlich ist eine Hecke nämlich genau definiert, wie gestern zu erfahren war: «Die Pflanzen stehen in einer Reihe, sie sind innen verholzt und dicht wie eine Mauer.»

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