Zum Hauptinhalt springen

Streusalz sparen aus Angst vor einem Notstand

Noch hat es in den Lagern von Kanton und Städten genug Salz. Weil es mit dem Nachschub harzt, bleiben dennoch Strassen weiss.

Von René Donzé und Liliane Minor Zürich – Noch vor wenigen Wochen schaute der kantonale Strasseninspektor Reto Färber optimistisch dem Winter entgegen: Die kantonalen Salzlager waren bis zum Rand gefüllt. Nun aber meldet der Kanton bereits im Dezember, dass er Salz sparen muss. Um den Verbrauch zu drosseln, werden vorderhand vor allem Autobahnen und wichtige Hauptstrassen schwarz geräumt. Nebenstrassen bleiben weiss. Vorübergehend können auch Strassen gesperrt werden, wie jene von Bülach nach Embrach über den Eschenmoser. Die Gemeinden, die vom Kanton beliefert werden, müssen ebenfalls Zurückhaltung üben. Salzdom nie mehr richtig gefüllt Warum diese plötzliche Sparsamkeit? «Weil der Nachschub nicht sichergestellt ist», sagt Färber. In früheren Jahren konnte er jeweils ohne Probleme bei den Rheinsalinen nachbestellen, wenn das Salz knapp wurde. Heuer steht der Salzdom der Salinen jetzt schon praktisch leer. Er konnte nach den beiden letzten harten Wintern nie mehr richtig gefüllt werden. Die Reserven von kaum 15?000 Tonnen und die Tagesproduktion von gut 1000 Tonnen Auftausalz reichen nicht aus, um den Bedarf der ganzen Schweiz zu decken. Darum haben die Salinen Anfang Dezember ihre Lieferungen kontingentiert. Kontingente bleiben geheim Wie hoch diese Kontingente sind, wird von den Salinen und den Kantonen gehütet wie ein Staatsgeheimnis, um nicht Neid und Missgunst zu schüren. Und auch Strasseninspektor Färber sagt bloss, der Kanton Zürich erhalte «nicht mehr die für einen üblichen Winterdienst angeforderten Mengen». Anfang Winter hatte der Kanton 13?000 Tonnen an Lager, das ist mehr als genug für einen durchschnittlichen Winter. Wegen des frühen Wintereinbruchs rechnet Färber aber damit, dass der Kanton diesen Winter mindestens 18?000 Tonnen brauchen wird. Das ist ungefähr gleich viel wie im letzten Winter. Darum befürchtet er, dass das Salz im dümmsten Augenblick ausgehen könnte. «Das Schlimmste für uns wäre, wenn wir plötzlich handlungsunfähig würden», so Färber. An Spitzen-Winterdiensttagen verbraucht der Kanton rund 1200 Tonnen. Es müssen also stets mindestens 5000 Tonnen an Lager sein, um auch ein paar heftige Schneetage bewältigen zu können. Am meisten Salz wird dann verbraucht, wenn bei niederschlagsreichem Wetter die Temperaturen um den Gefrierpunkt pendeln und sich immer wieder von neuem Eis bildet. Von der Kontingentierung betroffen sind auch die Städte. In Winterthur ist die Hälfte der eingelagerten 800 Tonnen bereits aufgebraucht. Man werde beim Salzen «am unteren Limit fahren», sagt Stadtingenieur Max Reifler. Zürich: Nur noch Hauptstrassen Leta Filli, Sprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ), sagte noch kurz vor Weihnachten, in Zürich werde ohnehin sehr sparsam mit dem Salz umgegangen, weshalb es trotz der Lieferengpässe keine speziellen Sparmassnahmen brauche. An Heiligabend musste sie dann aber doch bekannt geben, bis Ende Wintersaison würden nur noch Hauptstrassen gesalzen. Grund: Die Stadt werde nicht so viel Streusalz geliefert erhalten, wie sie bestellt habe. Prompt kam es zu Reklamationen. Ein TA-Leser aus der Stadt Zürich beschwerte sich in einem Leserbrief, die Winterdienste hätten nur die halbe Arbeit gemacht. Er überlege sich, künftig auch nur noch die Hälfte der Steuern zu zahlen. Salzlager in Pratteln BL: Die Rheinsalinen haben ihre Lieferungen kontingentiert.Foto: Dominique Meienberg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch