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SVP gewinnt Bildungswahl mit «Schnüerlischrift-Ideologie»

Die Wahl des pensionierten Militärinstruktors Samuel Ramseyer (SVP) in den Bildungsrat ist eine Klatsche der SVP gegen den Gewerbeverband – und eine Niederlage für die progressiven Bildungsparteien.

Von Ruedi Baumann Zürich – Am Schluss lautete das Resultat der geheimen Abstimmung: 89 Stimmen für Samuel Ramseyer (60, SVP, Niederglatt) und 80 Stimmen für Gewerbler und Messerschmied Werner Scherrer (49, FDP, Bülach). Es ging gestern im Kantonsrat um einen Ersatz im Bildungsrat für den zurückgetretenen Malermeister Ernst Fischer (SVP, Rüschlikon). Dieser Sitz im neunköpfigen Bildungsrat wird vom Gewerbe beansprucht, eine Nominierung durch den Kantonalen Gewerbeverband (KGV) kommt gewöhnlich einer Wahlgarantie gleich. Gestern aber lief es anders: Der vom KGV nominierte Scherrer, der auch Vizepräsident des Verbands ist, verpasste die Wahl. Der Gegenkandidat der SVP, etwas boshaft «pensionierter Militärinstruktor und Inhaber einer Einpersonen-Beratungsfirma» genannt, wurde gewählt. Im Verlaufe einer einstündigen Debatte kristallisierten sich drei Gründe für die Wahl Ramseyers heraus: Die konservative Bildungsideologie: Die SVP portierte Ramseyer, weil sie, wie es Esther Guyer (Grüne Zürich) formulierte, «die Bildung als neues Kampffeld entdeckt hat und nun Mundart und Schnüerlischrift statt Computer unterstützt». Für die konservative Eidgenössische Demokratische Union (EDU), die das Zünglein an der Waage spielte, sagte Fraktionschef Stefan Dollenmeier (Rüti) offen: «Ramseyer entspricht eher unserer Vorstellung von Bildung.» SP-Sprecher Markus Späth (Feuerthalen) warnte vergeblich: «Wir wollen keine rückwärtsgewandte SVP-Bildungsideologie.» Die Persönlichkeiten: Die SVP hat mit Ramseyer einen «sachlichen, offenen Teamplayer» nominiert, «der auch andere Meinungen respektiert» (Andreas Erdin, GLP, Wetzikon). Ramseyer ist beliebt im Rat, er sitzt seit acht Jahren in der Bildungskommission und ist seit vier Jahren deren Präsident. Gegen Scherrer hingegen wurden Vorbehalte laut – allerdings fast nur in persönlichen Gesprächen. «In der Bildungskommission haben die heutigen Lobeshymnen über Scherrer noch anders getönt», sagte Kurt Leuch (EVP, Oberengstringen). Auf Nachfrage heisst es im Rat, Scherrer komme oft zu spät und pflege anderen «übers Maul zu fahren». Bei den Grünen hat er laut Guyer in der Vorstellungsrunde Mängel in seinem schulpolitischen Wissen offenbart. Der Knatsch zwischen SVP und Gewerbe: Der Gewerbeverband ist klar SVP-dominiert (Präsident Hans Rutschmann, Geschäftsführer Martin Arnold). Dass der KGV einen FDPler nominiert hat, passte der SVP nicht. Anderen Parteien dagegen kam es nicht ungelegen, einen Keil zwischen SVP und KGV zu treiben und etwas Unfrieden zu stiften. Martin Arnolds (Oberrieden) Appell verhallte ungehört: «Wir brauchen im Bildungsrat einen echten Gewerbler, die Hälfte aller Volksschulabgänger beginnt eine Lehre.» Esther Guyer konterte auch dieses Argument: «Scherrer bildet in seinem Geschäft direkt keine Lehrlinge aus.» Am Schluss stimmten SP, FDP und CVP eher für Scherrer – SVP, Grüne, GLP, EVP und EDU eher für Ramseyer. Werner Scherrer Der Bülacher wurde trotz Vorschlag des Gewerbeverbandes nicht gewählt. Nun tritt Scherrer auf dem ersten Listenplatz für die FDP nochmals als Kantonsrat an. Der neue Bildungsrat Samuel Ramseyer (SVP) ist amtierender Präsident der Bildungskommission.Foto: Doris Fanconi

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