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Tiefere Gesundheitskosten dank tieferen Prämien

Reiner Eichenberger

Hurra! Wir haben einen neuen Bundesrat, und er will endlich etwas Wirksames gegen die Kostensteigerung im Gesundheitswesen tun! Da helfe ich gerne mit einem Vorschlag, der nur Vorteile hat und garantiert funktioniert: Die Krankenkassen müssen einfach ihre Prämien senken. Genauer, die Prämien der Alten und Kranken in besonders kostensparenden Versicherungsmodellen. Wie geht das? Heute haben Ärzte starke Anreize, die Patienten überzuversorgen, weil sie an jeder einzelnen Leistung verdienen. Deshalb können die Kosten nur kontrolliert werden, wenn Ärzte im Rahmen von Managed-Care-Modellen selbst Kostenverantwortung übernehmen, z.B. indem sie pauschal pro Patient entschädigt werden und so übermässige Leistungen auf ihre eigenen Kosten gehen. Gemäss Analysen haben solche Modelle ein Sparpotenzial von 30 und mehr Prozent – bei gleicher Behandlungsqualität. Deshalb wollen viele Politiker solche Managed-Care-Modelle mit der Aufhebung des Vertragszwangs fördern. Doch das alleine bringt nicht viel. Denn schon heute dürfen die Krankenkassen solche effizienten Versicherungsmodelle anbieten. Damit haben sie aber nur wenig Erfolg. Denn gemäss Gesetz dürfen sie den Versicherten keine wirksamen Anreize bieten, in Kosten sparende Versicherungsmodelle zu wechseln. So müssen die Prämien für alle Versicherten eines Modells einheitlich sein, und sie dürfen nicht mehr als 20 Prozent unter den Prämien der normalen Grundversicherung der betreffenden Krankenkasse liegen. Damit können die Kassen bei der heutigen Grundprämie von rund 300 Franken den Versicherten höchstens 60 Franken als Anreiz für den Eintritt in Kosten sparende Modelle geben. Das ist aber gerade für diejenigen, die häufig zum Arzt müssen und an denen deshalb auch viel gespart werden könnte, viel zu wenig. Denn die mit managed care verbundenen Einschränkungen etwa bei der Arztwahl belasten sie besonders stark. Deshalb treten vor allem Junge und Gesunde in solche Versicherungsmodelle ein. Da diese aber so oder so nur wenige Leistungen konsumieren, kann an ihnen nur sehr wenig gespart werden. Deshalb blieben die Einsparungen der heutigen Managed-Care-Modelle weit unter dem tatsächlichen Sparpotenzial. Eine erfolgreiche Reform muss die kosteneffizienten Versicherungsmodelle auch für überdurchschnittlich oft kranke Menschen attraktiv machen. Dazu müssen die Kassen die Prämien für Alte, Kranke und auch Frauen in diesen Modellen tiefer ansetzen dürfen als für Gesunde, Junge und Männer. So können sie den Versicherten eine ihrem Sparbeitrag äquivalente Entschädigung für die erfahrenen Unannehmlichkeiten bieten. Mein Modell – nennen wir es «Äquivalenzprämie» – ist besonders effizient und gerecht, denn es entlastet die besonders stark von Krankheit betroffenen Gruppen, ohne andere zu belasten. Dank dem riesigen Sparpotenzial bleibt selbst bei grossen Prämiennachlässen für die Alten und Kranken ein Überschuss, der sich dann auch in einer Senkung der Prämien der Jungen und Gesunden niederschlägt. Und die Versicherer können auch bei sehr tiefen Äquivalenzprämien noch an den Alten verdienen, da sie für diese «schlechten Risiken» Zahlungen aus dem Risikoausgleich zwischen den Kassen erhalten, die die alters- und geschlechtsbedingten Mehrkosten abgelten. Die Äquivalenzprämie nützt also allen: den Alten, den Jungen, den Kranken und den Gesunden. Eigentlich sollte dies Grund genug sein, dass die Idee in der Politik aufgenommen wird. kolumne@bernerzeitung.ch >

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