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Uetiker Sek: Vorwürfe wogen hin und her

Kurz bevor die Schulpflege über das selbst gesteuerte Lernen entscheidet, gehen im Dorf die Emotionen hoch. Auch die Schüler greifen in den Konflikt ein.

Von Lucien Scherrer Uetikon – Die Spannung um die Uetiker Sek steigt: Am Freitag will die Schulpflege entscheiden, wie es mit dem umstrittenen Unterrichtsmodell des selbst gesteuerten Lernens weitergehen soll. Die Fronten im Dorf sind verhärtet, wobei sich unter anderem die beiden grössten Ortsparteien in die Haare geraten sind, die FDP und die SVP. Denn während die Freisinnigen das selbst gesteuerte Lernen vehement verteidigen, profiliert sich die SVP mit einer Petition, die einen Abbruch der ganzen Übung verlangt. Die Unterschriften – bis gestern Abend waren es etwa 300 – sollen der Schulpflege am Donnerstagabend überreicht werden. Die FDP ist uneins Für die FDP ist das billiger Aktionismus: In einer Medienmitteilung hat sie ihrer bürgerlichen Konkurrenz kürzlich vorgeworfen, die Sek für Stimmungsmache zu missbrauchen. An der Schule, so der Tenor, funktioniere doch alles bestens. Tatsächlich ist das selbst gesteuerte Lernen ein «Kind» freisinniger Exponenten: An seiner Einführung war etwa die heutige FDP-Präsidentin und ehemalige Schulpräsidentin Ruth Rump massgeblich beteiligt. Die FDP wolle die Diskussion abklemmen und ihre Gegner mundtot machen, kontert jetzt die SVP. «Man schimpft über die Petition der SVP, obwohl eigene Parteimitglieder unterschreiben», ärgert sich SVP-Vizepräsident Fabian Weber. Charmeoffensive der Schule Tatsächlich stehen auf der Liste der Petitionäre auch Namen von FDP-Mitgliedern – etwa jener von Christiane Lanz. «Ich stehe hinter meiner Partei», sagt die Präsidentin des Vereins Eispark Uetikon darauf angesprochen, «aber was die Schule angeht, bin ich nicht mit ihr einverstanden.» Die Petition der SVP habe sie als Mutter eines Sohnes unterzeichnet, der mit dem System überhaupt nicht klarkomme. «Man muss ja nicht gleich alles über Bord werfen», sagt sie, «aber ein paar Dinge müssen sich ändern.» Auch vonseiten der Schule wird versucht, die Stimmung zu beeinflussen. Das Lehrerkollegium der Sek hat am Freitag einen Brief an alle Eltern verschickt, in dem es sich als «professionelles, erfahrenes und überdurchschnittlich motiviertes Team» darstellt. Gleichzeitig wird betont, dass man von der herrschenden «Lernkultur» nach wie vor überzeugt sei – und dass man sich in Zukunft «echte, direkte und konstruktive Diskussionen mit allen Beteiligten» wünsche. Eltern berichten davon, dass einige Schüler von Lehrern auch dazu animiert worden seien, Unterschriften für das bestehende Unterrichtsmodell zu sammeln. Die Übung sei aber mangels Unterstützung abgebrochen worden. Interims-Schulleiter Gerhard Meier will sich dazu nicht äussern: Weder er noch die Schulpflege seien derzeit bereit, Auskünfte zu erteilen. Sicher ist, dass auf Initiative des Schülerparlaments eine Umfrage gestartet worden ist, die Aufschluss über die Zufriedenheit mit dem 2007 eingeführten Unterrichtsmodell geben soll. Glaubt man einem Leserbrief von 3.-Sek-Schülern, arbeitet eine Mehrheit «gut und gerne» nach den Vorgaben des selbst gesteuerten Lernens. Wer instrumentalisiert wen? Bei der SVP stossen solche Beteuerungen auf Skepsis. Das Ganze rieche nach Instrumentalisierung, sagt Fabian Weber: «Kein Schüler wäre wohl so blöd, den Löwen zu kritisieren, in dessen Höhle er am nächsten Morgen zurückkehren muss.» Doch der Vorwurf, mit zweifelhaften Mitteln um Unterstützung zu buhlen, trifft auch die SVP. So wirft die Leserbriefschreiberin Verena Berger einer Exponentin der Partei vor, an einem Seniorennachmittag aggressiv um Unterschriften für die Sek-Petition geworben zu haben. «Viele Leute haben kaum verstanden, um was es ging», sagt Berger. Sie ist deshalb der Überzeugung dass die Aktion an Stimmenfang grenzte. Die Unterschriftensammlerin, Margrit Schait, sieht das anders. «Die Leute haben Verwandte und Freunde, deren Kinder die Sek besuchen – sie wussten also genau, worum es ging.»

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