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«Unerklärlich, dass es nur Steve getroffen hat»

Gotthard-Bandmitglieder und die Lebenspartnerin haben sich gestern erstmals zu Steve Lees Tod geäussert.

Von Beat Metzler Hätte die Schweiz um einen Bundesrat getrauert, wären kaum mehr Journalisten gekommen. Fernsehstationen, Radios und Zeitungen folgten gestern Abend dem Aufruf von vier Gotthard-Bandmitgliedern und Steve Lees Lebenspartnerin Brigitte Voss-Balzarini, die sich gemeinsam zum Tod des Sängers äussern wollten. Dass man den Anlass im Hotel St. Gotthard an der Bahnhofstrasse durchführte, betonte dessen Symbolträchtigkeit. Auf grosse Leinwände wurden Fotos von Steve Lee in Rockerpose projiziert. Vor der Ankunft der Band war es still wie während eines Gottesdienstes, was in Räumen voller Journalisten selten vorkommt. Voss-Balzarini, mit dunkler Sonnenbrille und zerbrechlicher Stimme, las einige wenige vorbereitete Sätze. Fünf Sekunden vor dem Unfall sei sie noch neben Steve gestanden. Kaum habe sie sich weggedreht, sei Steve neben ihr durch die Luft geflogen. Der Druck habe sie zum Stolpern gebracht, sodass ein Töff, der umkippte, ihre Beine knapp verpasst habe. «Ich weiss nicht, ob der Luftdruck oder Steves Seele mich davor rettete, dass meine Beine zerquetscht wurden.» Dem Lastwagenfahrer, der sich unter Schock habe umbringen wollen, habe sie verziehen und ihn umarmt. Später sagte Voss-Balzarini, Steve Lees Rücken habe sich nach dem Unfall ganz weich angefühlt. Er wäre wohl vom Hals ab gelähmt gewesen. «Für ihn ist es gut, dass er nach einem solchen Unfall gehen konnte.» Die Zukunft der Band ist offen Den Unfall ebenfalls miterlebt hat Bassist Marc Lynn. Er bestätigte den von den Medien berichteten Hergang. Unerklärlich erscheine ihm und allen anderen Zeugen, dass die vom Lastwagenanhänger weggeschleuderten Motorräder nur Steve getroffen haben. Dieser sei in der Mitte der Gruppe gestanden, aus der sonst niemand verletzt wurde. «Es hat getätscht. Steve ist still gefallen. Fünf Töffs wurden zertrümmert, Steve starb und 21 überlebten.» Seit dem Unfall am Dienstag letzter Woche habe die Gruppe die Tragödie gemeinsam verarbeitet und Formalitäten für die Rückführung der Urne erledigt. Gestern Nachmittag landeten die 21 gemeinsam in Kloten. Die etwa 50 Journalisten, die man zu «anständigem Verhalten» gemahnt hatte, getrauten sich gerade, eine Frage zu stellen. Wie es nun mit Gotthard weitergehe? Sie hätten sich erst eine Stunde wiedergesehen, sagten die Bandmitglieder. Zuerst müssten sie Lees Tod verkraften und die Situation analysieren, «Dann werden wir entscheiden. Und dabei Steves Willen berücksichtigen.» Von Aufnahmen für ein Soloalbum, über die verschiedene Medien berichteten, haben die Bandmitglieder keine Kenntnis. «Es kann aber sein, dass noch solche auftauchen.» Dann verschwanden die Trauernden. Vor dem Hotel warteten schwarze Limousinen. Die öffentliche Trauerfeier findet am Sonntag auf dem Gotthardpass statt. Öffentliche Trauer: Marc Lynn und Brigitte Voss-Balzarini. Foto: Keystone

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