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«Vielleicht lief ich zu wenig mutig»

LCZ-Langhürdler Fausto Santini ist an der EM in Barcelona im Vorlauf ausgeschieden – trotz starker Leistung bei seiner Premiere an einem internationalen Elite-Grossanlass.

Von Jörg Greb, Barcelona Bevor er unmittelbar nach seinem Rennen über 400 m Hürden auf die Zeittafel blickte, schaute Fausto Santini in sich hinein: «Ganz top kann das nicht gewesen sein, da schien auf der ganzen Bahnrunde ein Gegenwind zu blasen.» Nur einige Augenblicke gings, bis der Geroldswiler seine Zeit zugeteilt erhielt: 51,43 Sekunden, 32 Hundertstel über seiner persönlichen Bestmarke. Die grosse Befriedigung stellte sich mit etwas Verzögerung ein. Der 23-jährige Leichtathlet vom LC Zürich wurde an 19. Stelle geführt: zwar ausgeschieden, aber 5 Ränge besser klassiert als vom Melderang her. «Ich bin vollauf zufrieden», sagte er nun strahlend, «zufrieden vor allem, was den Rang betrifft, zufrieden aber auch mit der Zeit.» In Selbstzufriedenheit verfallen wird Santini deshalb aber nicht. Denn ein Schönheitsfehler haftete dem Resultat an: Mit 51,11 Sekunden hätte er den Halbfinal erreicht – mit einer Zeit also, die er schon gelaufen ist. Drei Zehntel, ein Klacks. «Schade», analysierte Santini, «vielleicht lief ich die erste Hälfte etwas zu wenig mutig.» Mit einer riesigen Freude war Santini nach Barcelona gereist. Er stellte sich die Stadt mit ihrem Charme und dem südländisch pulsierenden Leben fantastisch vor. Und dann begeisterte ihn das Olympia-Stadion auf dem Montjuïc. Grundsätzlich hat er seine Mission erfüllt: «Es ging in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln», sagt er. Die Schwierigkeit an einem solchen Grossanlass ist es unter anderem, die unzähligen neuen Eindrücke möglichst auszublenden. Der Fokus ist ganz auf sich und auf die eigene Leistung zu richten – eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, an der sich schon einige Champions die Zähne ausgebissen haben. Seine Perspektiven hat Santini weitsichtig ausgerichtet. London 2012 und somit die Olympischen Sommerspiele hat er als Vision vor Augen. Die EM 2014 in seiner Heimatstadt Zürich ist ein klares Ziel. «Dann soll es nicht nur um die Teilnahme gehen, sondern um eine gute Platzierung», verdeutlicht er. Dass sich Santini dann zeitlich in anderen Regionen bewegen muss, ist ihm klar. An den Schweizer Rekord von Marcel Schelbert, an die 48,13 Sekunden, denkt er allerdings nicht: «Diese Zeit ist phänomenal, aber auch weit, weit weg.» Faustini befindet sich momentan noch nicht unter den 20 schnellsten Schweizern aller Zeiten. Das soll sich bald ändern. Schritt für Schritt will er sich steigern, zuerst einmal unter 51 Sekunden, dann unter 50. Koordinatives Talent entdeckt Mit der Leichtathletik begonnen hat der fliessend in Deutsch, Italienisch und Französisch parlierende Santini mit sieben Jahren in der Leichtathletik-Abteilung des TV Weiningen/Fahrweid. Vorerst überzeugte er als Mittelstreckler. Er gewann und gewann. Seine damaligen Betreuer rieten ihm, sich von Trainern mit grösserer Erfahrung anleiten zu lassen. Santini wechselte zum LCZ. Dort zeigte sich in einem Rennen über 110 m Hürden plötzlich eine neue Stärke: sein koordinatives Talent. «Womöglich kommt dieses vom Turnen», vermutet er heute. Und weil er Spass hatte an seiner neuen Disziplin, blieb er ihr treu. Nun richtet er sich auf die lange Hürdenstrecke aus. Und plant weitere Schritte. Doch vorerst will er noch geniessen, die Stimmung in Barcelona aufsaugen und auch auf dieser Ebene profitieren. Hatte nach seiner Leistung Grund zu strahlen: Fausto Santini. Foto: EQ

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