Zum Hauptinhalt springen

Visionen für den Ausbau der Bahn

Der Bundesrat will in den nächsten Jahrzehnten über 40 Milliarden Franken in die Bahn investieren. Vorerst hingegen gibt es nur 9 Milliarden – und einen Streit über die Finanzierung der Projekte.

Von David Schaffner, Bern Wer über sehr lange Zeiträume denkt, kann sich von den gestern veröffentlichten Plänen von Doris Leuthard nur begeistert zeigen: In den nächsten Jahrzehnten will die Verkehrsministerin rund 42,6 Milliarden Franken in den öffentlichen Verkehr investieren und damit in der Schweiz ein regelrechtes Bahnparadies schaffen. Alle 15 Minuten sollen Pendler zwischen Zürich, Bern, Basel, Winterthur, Genf sowie Lausanne einen Zug besteigen können. Wer auf den S-Bahnen der Agglomerationen verkehrt, dürfte künftig ebenfalls von einem Viertelstundentakt profitieren. Auf den übrigen Hauptstrecken des Netzes will Leuthard mindestens jede halbe Stunde einen Zug fahren lassen (siehe Grafik «Langzeitperspektive»). Wenn möglich, möchte sie überdies die Fahrzeiten zwischen den Zentren verkürzen. Weniger kühn muten die Pläne an, die sich Leuthard konkret für die nächsten Jahre vorgenommen hat: Anstatt riesige Projekte auf einen Schlag zu planen, wie dies der Bund früher gemacht hat, bevorzugt die neue Verkehrsministerin eine Politik der kleinen Schritte. Bis 2025 stehen der Bahn demnach knapp 9 Milliarden Franken für die dringlichsten Ausbauschritte zur Verfügung. Das Paket besteht aus etlichen Massnahmen, die verschiedenen Teilen des Landes zugutekommen. Künftig will der Bundesrat dem Parlament alle vier bis acht Jahre ein neues Investitionspaket in der Höhe von rund 5 Milliarden vorschlagen. Bis der Bund die Gesamtsumme von rund 42,6 Milliarden ausgegeben hat, werden demnach zwischen 32 und 64 Jahre vergehen. Eine genaue Planung gibt es nicht. Bern zufrieden, Zürich nicht Die konkret bis 2025 geplanten Massnahmen führen nicht überall in der Schweiz zu Begeisterung: Auffällig ist, dass Zürich und Umgebung nur wenig profitieren. Den grössten Fortschritt dürfte es im Welschland geben, wo zwischen Lausanne und Genf durchgehend alle 15 Minuten ein Intercity-Zug verkehren wird (siehe Grafik «Ausbauschritt 2025»). Kein Viertelstundentakt ist hingegen zwischen Bern und Zürich geplant – obwohl dies die meistbefahrene Strecke des gesamten Bahnnetzes ist. In Bern will der Bund dafür den Bahnhof massiv ausbauen und den Engpass Holligen beseitigen. Die Stadt Basel darf sich auf zusätzliche Gleise in ihrem Bahnhof freuen, das Tessin auf ein zweites Gleis zwischen Contone und Tenero. Auf der viel befahrenen Strecke zwischen St. Gallen und Genf sollen künftig 400 Meter lange Doppelstockzüge zum Einsatz kommen. Zürich erhält ein besseres Angebot auf den Strecken nach Chur und Lugano: Dort soll pro Stunde nicht mehr ein Intercity-Zug verkehren, sondern deren zwei. Während sich die Berner Verkehrsdirektorin Barbara Egger zufrieden mit den bundesrätlichen Plänen zeigt, gibt es aus Zürich heftige Kritik: «Der Bund setzt falsche Prioritäten und achtet nicht darauf, welche Bahnlinien für die Wirtschaft besonders wichtig sind», ärgert sich der Zürcher FDP-Nationalrat Markus Hutter. Er versteht nicht, warum der Bund die meistbefahrene Strecke zwischen Bern und Zürich nicht ausbaut und dafür Gelder für ein grösseres Angebot zwischen Landquart und Davos oder Zermatt und Fiesch spricht. Ähnlich argumentiert die grüne Zürcher Nationalrätin Marlies Bänziger: «Der Bund plant einen Flickenteppich. Wirtschaftszentren werden so in ihrem Wachstum eingeschränkt.» Ihr Zürcher Kollege von der Volkspartei, Max Binder, schliesslich meint: «Würde der Bund beispielsweise das Nadelöhr zwischen Winterthur und Zürich beseitigen, würden nicht nur die Bewohner des Kantons Zürich profitieren.» Auch alle anderen Menschen, die auf der Strecke zwischen St. Gallen und Genf unterwegs sind, könnten dann von besseren und schnelleren Verbindungen profitieren. Bahntickets deutlich teurer Ebenfalls zu reden gibt die Art und Weise, wie Leuthard die künftigen Verkehrsinfrastrukturen finanzieren will – nicht nur jene auf der Schiene, sondern auch jene auf der Strasse. In den Vorschlägen, die sie gestern in die Vernehmlassung schickte, will sie Bahnkunden und Autofahrer deutlich stärker zur Kasse bitten. Diesen Teil ihrer Pläne kündigte Leuthard bereits im Januar an und erntete damit heftige Kritik (TA vom 21. 1.). SVP, FDP, SP und TCS kündigten gestern erneut an, dass sie in der Vernehmlassung weitreichende Änderungen fordern werden. Vor allem Bahnkunden müssen mit höheren Kosten rechnen: Der Bund will den SBB höhere Preise für die Benutzung der Schiene berechnen. Bis 2017 sollen so jährlich Mehrkosten von zehn Prozent respektive 300 Millionen Franken anfallen. Diese dürften die SBB auf die Kunden überwälzen. Hinzu kommen Preiserhöhungen, welche die SBB von sich aus vornehmen wollen. Zusätzliches Geld für die Bahn will der Bund übrigens von den Kantonen: Sie sollen pro Jahr 300 Millionen Franken beisteuern. Für die Autofahrer gab es gestern immerhin eine gute Nachricht: Vorerst will der Bund darauf verzichten, wie angekündigt die Mineralölsteuer zu erhöhen. Teurer werden soll nur die Autobahnvignette. Sie wird neu 100 statt 40 Franken kosten. Eine weitere Neuerung gilt für Auto- und Bahnfahrer: Der Bund will ihren maximalen Pendlerabzug bei den Steuern auf 800 Franken plafonieren.$ Kommentar Seite 2 Bildlegende. Foto: Vorname Name, Agentur Bahnausbau konkret: SBB-Gleismonteur an der Arbeit. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch