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Von Bodo Lamparsky

Von Bodo Lamparsky Regensdorf – Im Regensdorfer Primarschulhaus Watt ist Feuer im Dach. «Das Gros des Teams hat die Schnauze voll», sagt eine Lehrerin. «Ich möchte nicht unter einer Behörde arbeiten, die willkürlich kompetente Leute abschiesst», sagt eine andere. «Kritische Lehrkräfte werden eingeschüchtert: Man droht ihnen mit rechtlichen Konsequenzen», berichtet eine dritte. «Wir trauern um das Vertrauen», hiess es am letzten Freitag in einer Stellungnahme im «Furttaler». 19 von 27 Teammitgliedern brachten darin ihren Unmut zum Ausdruck, dass ihre Schulleiterin am 13. Januar ohne Vorwarnung entlassen und sofort freigestellt worden war: «Wir können das in keiner Weise nachvollziehen.» Weil an der Primarschule «ein Klima der Angst» herrsche, wollen die Lehrkräfte anonym bleiben. Nachdem Schulpräsidentin Brigitta Lott (parteilos) Presseanfragen konsequent abgeblockt hatte, hat die Schulpflege gestern nun zum Gegenschlag ausgeholt. In einer Pressemitteilung rechtfertigt die Behörde in scharfem Ton die Entlassung der Schulleiterin (vgl. nebenstehende Box). Die Art und Weise, wie die Lehrerschaft damit umgehe, entspreche «nicht einer professionellen Kommunikation und somit nicht dem Stil der Primarschulpflege Regensdorf». Die öffentliche Diskussion dazu erklärt sie für beendet. «Die Primarschulpflege wird keine weiteren Auskünfte gegenüber der Presse, der Elternschaft und anderen besorgten Stimmbürgern geben.» Zugleich lässt sich die Behörde von den Schulleitern im Pächterried, im Chrüzächer und Ruggenächer 1 und 3 «vollstes Vertrauen» attestieren. «Insbesondere» würden diese die Personalführung durch die Primarschulpflege als «wertschätzend und unterstützend» und den Umgang mit den Belegschaften als «professionell und achtungsvoll» erleben. Lange Reihe von Vorwürfen Regensdorfer Lehrkräfte machen demgegenüber geltend, schon seit Jahren nicht fair behandelt zu werden. Immer wieder gerieten einzelne Lehrpersonen ins Visier der Schulpflege, und das nicht nur im Schulhaus Watt. «Ist man auf der schwarzen Liste, wird man bei der erstbesten Gelegenheit fallen gelassen», sagt eine Lehrerin aus eigener Erfahrung. Es komme vor, dass Lehrpersonen von einer Mitarbeiterbeurteilung zur nächsten von «A» (der besten Bewertung) auf «D» (der schlechtesten Zensur) zurückgestuft würden. Teilzeitlehrkräfte würden unter Druck gesetzt, die Stelle ebenfalls zu kündigen, wenn der Stellenpartner den Dienst quittiert hat. Weil sich das nicht jede Lehrperson gefallen lässt, generiert die Behörde hohe Anwaltskosten oder muss gar Entschädigung und Abfindung zahlen, wenn eine missbräuchliche Kündigung festgestellt wird, wie mehr als eine Lehrkraft festhält. Die Schulpräsidentin versuche dann schon mal, selbst auf ein Arztzeugnis Einfluss zu nehmen. Auch, dass ihre eigene Tochter in Regensdorf zu einer Anstellung als Primarlehrerin gekommen ist, nachdem ein Lehrer mit 37 Dienstjahren zuvor über die Klinge springen musste, kommt in der Lehrerschaft schlecht an. «Wir möchten, dass die Situation an der Regensdorfer Primarschule untersucht wird», sagte eine junge Lehrkraft, die sich die Kündigung überlegt. Allein am Schulhaus Watt sei bis zum Sommer sonst mit bis zu zehn weiteren Abgängen zu rechnen. Die stellvertretende Schulleiterin hat nach dem Rauswurf ihrer Vorgesetzten die Konsequenzen bereits gezogen und von sich aus die Kündigung eingereicht. Beim kantonalen Volksschulamt kennt man den Fall bisher allerdings nur aus der Presse, wie Amtsleiter Martin Wendelspiess sagt. Es sei keine Aufsichtsbeschwerde eingegangen. Dass sich ein ganzer Lehrkörper gegen eine Schulpflege wehre, komme auch höchst selten vor. Angst vor Kündigungswelle «Schiss, dass wir im Sommer keine guten Lehrer mehr haben», macht sich jetzt in Elternkreisen breit, wie Xavier Heinzer vom Forum 02 sagt. Die politische Gruppierung hat sich deshalb am Wochenende mit besorgten Eltern von Kindern aus dem Schulhaus Watt getroffen. Unmittelbarer Ausfluss davon ist ein Brief an die Lehrerschaft, der die Wertschätzung ihrer Arbeit zum Ausdruck bringen soll. Unterschrieben ist er von 29 Elternteilen, 13 weitere tragen ihn anonym mit. «Als ehemaliger Schulpfleger überrascht mich die Art und Weise, wie mit dem Personal umgegangen wird, nicht», sagt Xavier Heinzer: «Wenn jemand eine andere Meinung vertritt, ist er gleich mal weg. Wir hören immer wieder von bösen Abgängen.» Das Forum will jetzt das Gespräch mit den anderen Regensdorfer Ortsparteien suchen. Zumindest bei der SVP rennt es dabei offene Türen ein. «Wir sind schon dran, Fakten zu sammeln», sagt Parteipräsident Gaudenz Lüchinger. Seine Partei hatte bei den letzten Gemeindewahlen darauf verzichtet, ihre zwei Sitze in der Primarschulpflege zu verteidigen: «Alle Angefragten haben dankend abgelehnt.» Auch ihn wundert die neueste Zuspitzung in einer Personalfrage nicht: «Bei der Primarschulpräsidentin gibt es nur Schwarz oder Weiss. Wenn man mit ihr nicht auskommt, wirds schwierig.» Gaudenz Lüchinger weiss, wovon er spricht: Mitten in der letzten von drei Amtsperioden musste er sich von der Primarschulpräsidentin als Vize absetzen lassen. Sie hatte kein Vertrauen mehr in ihn. Nur gerade ein Jahr war die Schulleiterin des Regensdorfer Primarschulhauses Watt im Amt, ehe sie vor knapp drei Wochen von der Schulpflege entlassen wurde. Innerhalb von zwei Stunden musste sie ihr Büro räumen und ihre Schlüssel abgeben. Die Schulleiterin habe die Erwartungen nicht erfüllt, liess die Behörde zur Begründung ihres Schritts gegenüber Lehrern und Eltern verlauten. In einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung hat die Schulpflege ihre Wortwahl gar noch verschärft. Iwo Talew, der Anwalt der entlassenen Schulleiterin, reagiert darauf empört: «Die Schulpflege wäre gut beraten, wenn sie nicht Sachen erzählen würde, die in einem Rechtsverfahren erst noch zu klären sind.» Talew spricht von einer «Vorverurteilung» seiner Mandantin. Der Schulpflege gehe es offensichtlich um «Stimmungsmache». «Schockiert» von der Abberufung ihrer Vorgesetzten, hatte die Lehrerschaft im Schulhaus Watt den Unterricht am Nachmittag des Kündigungstags ausfallen lassen, die Kinder aber wenn nötig in der Schule betreut. Die Schulpflege hat inzwischen eine interimistische Co-Schulleitung eingesetzt. Mit rund 270 Kindern ist das Primarschulhaus Watt das kleinste in Regensdorf. Unterrichtet haben zuletzt ausschliesslich Frauen. Die Präsidentin des Elternrats wollte noch keine Stellungnahme zu den Vorfällenabgeben.(la) «Bei der Primarschulpräsidentin gibts nur Schwarz oder Weiss. Wenn man mit ihr nicht auskommt, wirds schwierig.» Gaudenz Lüchinger, SVP-Präsident

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