Zum Hauptinhalt springen

Von der Staatskarosse aufs DienstveloDie Stadtzürcher Staatskarosse bleibt immer öfter in der Garage

Der Rechtskonsulent aus Zürich liess sich mit der schwarzen Limousine an ein Weihnachtsessen fahren.Der Fall ist heute aber eher die Ausnahme.

Von Carmen Roshard Zürich – Seit Zürich die 2000-Watt-Gesellschaft propagiert und sich alle um die Erderwärmung sorgen, stehen Politiker schnell unter Rechtfertigungsdruck, wenn sie sich mit der Staatskarosse herumchauffieren lassen. Nicht besser erging es Peter Saile, dem Rechtskonsulenten der Stadt Zürich. Als er im Dezember in einer Limousine mitsamt Chauffeur am Weihnachtsessen des Winterthurer Stadtrats vorfuhr, gab das unter ein paar Geladenen zu reden. Allerdings sagt die Informationsbeauftragte des Stadtrats, Daniela Sgier, zum besagten Weihnachtsessen: Rechtskonsulent Saile sei nur ein einziges Mal in die Staatskarosse eingestiegen. Und der Mann hatte guten Grund, mit dem grossen Schlitten vorzufahren. Ein Taxi ist teurer Um als Alt-Stadtschreiber in seiner Heimatstadt keine schlechte Falle zu machen, ist Saile gar früher aus der Zürcher Stadtratssitzung entschwunden und kam «in Stress pur». Hätte das Essen in der Winterthurer Altstadt stattgefunden, wäre Saile «noch so gerne mit der Bahn angereist». Das Essen fand jedoch ausserhalb von Winterthur statt. Wer jetzt denkt, der Zürcher Rechtskonsulent hätte auch mit dem Taxi fahren können, liegt nach Sailes Ansicht falsch. «Ein Taxi wäre auf jeden Fall teurer gekommen.» Da es sich beim städtischen Wagenpark – ein Mercedes der S-Klasse und ein Audi A8 – um günstig erworbene Occasionen handle, die auf Abruf von speziell ausgebildeten VBZ-Chauffeuren pilotiert werden, kämen die Fahrten die Stadt günstiger zu stehen als Taxis, beantwortet die Stadtkanzlei ein vom «Tages-Anzeiger» gestelltes Zugangsgesuch zu amtlichen Informationen. Zudem würden die Regierungsmitglieder auch an abgelegene Orte kommen – frühmorgens und spätnachts. Auch enge Termine könnten dank dem Limousinen-Service besser eingehalten werden. Ganz zu schweigen von der Etikette, die bei Repräsentationsveranstaltungen zu wahren sei. Wenn man bedenkt, dass für die sieben Zürcher Regierungsräte sieben Staatskarossen bereitstehen, gibt sich die Stadtzürcher Regierung mit zwei Wagen für neun Stadträte (inklusive Stadtschreiber und Rechtskonsulent) doch eher bescheiden. Die von den VBZ erhobenen, quartalsweise zusammengestellten Daten lassen zwar keine exakte Zuordnung auf die einzelnen Stadtratsmitglieder zu, denn die Fahrten werden von mehreren Regierungsmitgliedern gemeinsam genutzt. Doch der Trend zum Velo der rot-grünen Mehrheit scheint sich durchzusetzen. 2009 legte der Stadtrat mit den Dienstlimousinen 86 Fahrten mit total 11?675 Kilometern zurück. Für das Jahr 2010 fehlen noch Zahlen fürs letzte Quartal. Eines steht aber jetzt schon fest: Die Damen und Herren Stadträtinnen und Stadträte haben noch häufiger in die Pedalen getreten als im Vorjahr. Von Januar bis September haben sie lediglich 6103 Kilometer sitzend im Dienstwagen verbracht, aufgeteilt auf 40 Fahrten. Vergleicht man die ersten drei Quartale 2009 und 2010, so hat die Anzahl Fahrten von 64 auf 40 abgenommen, was rund 30 Prozent weniger sind. 160 Dienstvelos verfügbar Zudem werde der Limousinendienst «sehr restriktiv und nur in begründeten Ausnahmefällen» gebucht. Das war aber nicht immer so. Bis in die 90er-Jahre hatte jeder Stadtrat sein eigenes Staatsauto mit Chauffeur. Heute würden die Stadtratsmitglieder generell entweder mit dem ÖV reisen, das Velo nehmen oder – für kurze Distanzen – zu Fuss gehen. Zusätzlich zum eigenen Velo stehen den Regierungsmitgliedern, wie allen städtischen Angestellten, an 88 Standorten 160 Dienstvelos zur Verfügung. Noch bescheidener gibt sich der Winterthurer Stadtrat: «Wenn wir irgendwohin müssen, bekommen wir ein Büssli von der Polizei.» Die stadträtlichen Limousinenin der VBZ-Werkstätte in Altstetten.Foto: Sophie Stieger

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch