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Werden wirklich Tränen fliessen?

Das Kindergarten-Obligatorium für Vierjährige bleibt der umstrittene Punkt bei der Harmonisierung des Schulwesens. In Langenthal diskutierten Befürworter und Gegner mit Erziehungsdirektor Bernhard Pulver.

«Nur die weinenden Kinder auf all den Plakaten machen mir etwas Sorgen», schloss Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne) am Dienstagabend sein Kurzreferat in der Alten Mühle Langenthal mit einem Augenzwinkern. Die SP Langenthal und die SP Aarwangen hatten zum Podium zum HarmoS-Konkordat geladen, über das die Berner Stimmbevölkerung am 27. September abstimmen wird. Weit über 70 Personen folgten im gut gefüllten Saal den Argumenten von Befürwortern und Gegnern der «Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule». «Es wird Druck ausgeübt» Die weinenden Kinder. Sie zieren die Plakate der HarmoS-Gegner und sind zugleich deren Hauptargument gegen das Konkordat (vgl. Text unten). Denn dieses bringt im Kanton Bern primär nur eine grössere Veränderung mit sich: ein Obligatorium für den zweijährigen Kindergarten für Kinder ab vier Jahren. Bis zum sechsten Lebensjahr mache ein Kind die grössten Entwicklungssprünge, erklärte die Burgdorfer Stadträtin und Leiterin einer Kindertagesstätte Nadja Pieren (SVP). «Ein Vierjähriges braucht eine andere Betreuung als ein Fünfjähriges.» Die obligatorische Einschulung von Vierjährigen sei daher nicht richtig. Den Argumenten Pierens konnte Andreas Brönnimann, künftiger EDU-Nationalrat aus Belp, nur beipflichten. Zwar versichere Regierungsrat Pulver heute, dass Ausnahmen auch mit dem HarmoS-Konkordat noch möglich seien. Dennoch werde durch das Obligatorium auf Eltern und Kinder Druck ausgeübt. Verändertes Familienbild Anders sieht dies die Langenthaler Kindergärtnerin Rita Günter. Sie sprach sich sogar offen für ein Obligatorium ohne grosse Ausnahmen aus. Schon heute würden in Langenthal rund 90 Prozent der Kinder den zweijährigen Kindergarten besuchen. Günter stimmte der Gegenseite zwar zu, dass die Erziehung primär Elternsache sei. «Aber das Familienbild hat sich nun mal verändert, wir können nicht einfach wegschauen.» Der Langenthaler Stadtrat und Schulleiter Armin Flükiger (SVP) doppelte nach: Insbesondere bei fremdsprachigen Kindern seien Unterschiede ersichtlich, ob ein Kind den Kindergarten besucht habe oder nicht und wie lange. Die Langenthaler Kindergartenleiterin Nathalie Scheibli (SP) warf aus dem Plenum ein: «Eltern, die ihren Kindern gewisse Dinge bis vier nicht gelehrt haben, lehren es ihnen meist auch mit fünf Jahren noch nicht.» Es seien denn auch diese Kinder, die er mit dem Obligatorium abzuholen erhoffe, erklärte Erziehungsdirektor Pulver im Anschluss an das Podium. Kinder auch, die mit vier Jahren zu Hause vor dem Fernseher sässen. «Diese Kinder werden nicht weinen, wenn sie in den Kindergarten gehen müssen.» Kathrin Holzer .>

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