Zum Hauptinhalt springen

«Wir können uns alle 5 Jahre ein Grossprojekt leisten»

Laut Usters Stadtpräsident rechnen sich Investitionen in die Lebensqualität.

Nachgefragt Mit Martin Bornhauser sprach Marius Huber Herr Bornhauser, geht es der Stadt Uster wirklich so blendend, dass sie sich «etwas Ausserordentliches» leisten kann? Im Parlament tönt das oft anders . . . Das ist doch normal. Ein Parlament, das nicht immer wieder zum Sparen mahnt, ist unbrauchbar. Aber es ist einfach nicht richtig, dass die Stadt finanziell knapp dran ist. Das ist eine Klagerei auf sehr hohem Niveau. Uns geht es gut, was das Vermögen betrifft. Wir verfügen über 2000 Franken pro Einwohner, während viele vergleichbare Städte verschuldet sind. Deshalb können wir uns das Hallenbad jetzt leisten. Ihre eigene Partei, die SP, hat unlängst kritisiert, dass die Stadt für über 25 Millionen Franken Land verkauft hat. Jetzt leistet sich die gleiche Stadt für 25 Millionen ein neues Hallenbad. Muss sie etwa das Tafelsilber verscherbeln, um Grossprojekte finanzieren zu können? Nein. Wir geben nicht mehr Geld aus, als wir tatsächlich in der Hand haben. Es ist zwar so, dass es auf der Einnahmeseite seit Jahren nicht so rosig aussieht und wir deshalb vom Eingemachten zehren müssen, aber das hat vor allem damit zu tun, dass das Parlament den Steuerfuss gesenkt hat. Dass wir Land verkauft haben, hatte praktisch keine Auswirkung auf den Cashflow. Das klingt aber nicht besonders gut: Das Eingemachte reicht gerade mal für eines von vier Grossprojekten, und mit den Einnahmen hapertes – wie wollen Sie da jemals die anderen drei realisieren? Die Frage ist, ob es uns gelingt, unser Vermögen in Zukunft wieder zu erhöhen. Das geht natürlich nicht, wenn man die Steuern weiter senkt. Sondern sie erhöht? Nein, wenn keine unerwarteten Ausgaben hinzukommen, sollte es ohne Erhöhung gehen. Wir sind optimistisch, dass wir mehr Steuerzahler anziehen, vielleicht steuerkräftigere. Es sieht gut aus: Die Steuereinnahmen ziehen an. Ist das der langfristige Plan? Wollen Sie Uster mit Grossprojekten wie einem Bad samt Wellnessbereich so attraktiv machen, dass mehr Steuerzahler hierherziehen und weitere Grossprojekte möglich werden? Natürlich würde Uster mit dem neuen Bad an Attraktivität gewinnen. Ich bin der Meinung, man sollte in guten Zeiten das Geld so investieren, dass sich die Lebensqualität der Einwohner erhöht. Das bringt ihnen mehr als eine Steuerreduktion um 1 Prozent, die für den Durchschnittsbürger ein paar wenige Franken ausmacht. Was das Bad betrifft, müssen wir dieses aber so oder so sanieren und vergrössern. Und der Wellnessbereich, der vielleicht nach römischen Zuständen klingt, ist eine Cashcow. Er bringt mehr rein, als er kostet. Sind Usters Grossprojekte wirklich keine Luftschlösser? Nein, das kann es nicht sein. Mit einer gesunden Finanzpolitik können wir uns alle 4 bis 5 Jahre ein solches Grossprojekt leisten. Und wenn es doch anders kommt als erwartet: Auf welches Grossprojekt könnte die Stadt dann verzichten? Wenn es gelingt, den Haushalt im Lot zu halten, braucht es keinen Verzicht. Dann können wir den Ustermern für ihren Steuerfranken etwas bieten, nämlich Lebensqualität. Nur wenn ausserordentliche Ereignisse uns dazu zwingen, lassen wir von diesen Zielen ab. Martin Bornhauser Der 60-jährige SP-Mann ist seit 2006 Stadtpräsident von Uster. Davor war der Jurist Kantons- und Stadtrat.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch