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«Wir reagierten zurückhaltend, weil die Medien mehrwussten als wir»

Adliswils Stadträtin Susy Senn (FDP) will, dass der ganze Skandal rund um das Alters- und Pflegeheim aufgedeckt wird.

Susy Senn steht als Stadträtin dem Ressort Soziales vor Mit Susy Senn sprach Bettina Ledergerber Adliswil – Als im September 2010 mutmassliche Misshandlungen von Bewohnern im städtischen Alters- und Pflegeheim öffentlich wurden, rückte Stadträtin Susy Senn wenige Monate nach Amtsantritt in den Mittelpunkt der Berichterstattung. Als einzige offizielle Ansprechperson für die Medien beantwortete sie alle unangenehmen Fragen, suchte nach Erklärungen und leitete Untersuchungen ein. Vertrauen Sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im städtischen Alters- und Pflegeheim noch? Ich vertraue ihnen zu 100 Prozent, ohne den Untersuchen der Juristin Katharina Sameli vorgreifen zu wollen. Haben Sie Angst, dass Frau Sameli neue Skandal aufdeckt? Ich gehe das Ganze neutral an. Mir ist wichtig, dass alles aufgedeckt wird. Das ist im Interesse der Mitarbeitenden, der Bewohner und nicht zuletzt der Öffentlichkeit. Je nachdem, was der Bericht bringt, können wir weitere Entscheidungen treffen. So turbulent haben Sie sich Ihre ersten Monate als Adliswiler Stadträtin kaum vorgestellt. Nein. Das kann man auch nicht. Es gibt Stadträte, die in 20 Jahren so etwas nicht erleben. Die einen trifft es einfach. Inzwischen sehe ich diese Krise auch als Chance. Wir werden sie meistern. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt? (Lacht.) Nun. Was habe ich daraus gelernt? Sie zögern. Also nichts? Ich muss überlegen, weil ich so viel gelernt habe. Zum Beispiel, dass man sich auf so eine Krise nicht vorbereiten kann. Dass man sie angehen muss, wenn sie da ist. Die grösste Herausforderung ist, dass man die richtigen Entscheidungen trifft und dass man auf die Leute hört, denen man vertrauen kann. Haben Sie die richtigen Leute gefunden? Ja. Besonders die Zusammenarbeit mit Ressortleiterin Doris Kölsch ist enorm wichtig. Aber ich war neu, wir mussten uns erst kennen lernen. Inzwischen ziehen wir aber beide am selben Strick. Ich möchte nun gerne noch einmal zurück zur Frage, was ich gelernt habe. Nur zu. Ich habe gelernt, dass ich mich 100-prozentig auf die Verwaltungsleitung der Stadt verlassen kann. Auch von Stadtpräsident Harald Huber wurde ich sehr gut unterstützt. Die Probleme im Alters- und Pflegeheim kamen an die Öffentlichkeit, weil Angestellte sich an die Medien wandten. Inzwischen haben vier Angestellten gekündigt. Warum durfte der mit der Konfliktberatung beauftragte Psychologe nicht mit den vier Angestellten sprechen? Zum Zeitpunkt, als wir den Auftrag an Jürg Krummenacher erteilten, waren sie krankgeschrieben. Wir wussten nicht, ob sie zurückkommen oder nicht. Wir wollten vorwärtsschauen mit jenen, die an der Arbeit waren. Wenn sie zurückgekommen wären, hätten wir sie garantiert miteinbezogen. Sie haben die vier fallen gelassen. Das glaube ich nicht. Sie haben diesen Weg selbst gewählt. Wir haben persönliche Gespräche mit ihnen geführt, sie wollten unter den gegebenen Umständen nicht weiterarbeiten. Warum haben Sie nicht von Anfang an den Kontakt gesucht? Weil wir nicht wussten, wie und von wem die Informationen an die Presse gelangten. Zu uns kamen sie nie mit den Vorwürfen. Die Angestellten, die sich an die Presse wandten, hatten davor mit Ihnen und Doris Kölsch ein Gespräch vereinbart. Warum kamen die Misshandlungsvorwürfe nicht zur Sprache? Ich weiss es nicht. In den Medien wurde Ihnen mangelnde Kommunikation vorgeworfen. Zu Fragen äusserten Sie sich meistens nicht oder nicht konkret. Warum diese Zurückhaltung? Weil die Medien mehr wussten als wir. Eine schwierige Situation. Es war sehr schwierig. Ich habe mir schon ein paar Mal überlegt, ob ich etwas hätte anders machen sollen. Zu welchem Schluss sind Sie gekommen? Ich wüsste nicht, zu welchem Zeitpunkt ich hätte anders reagieren müssen. Es ist eine ganz schwierige Frage. Ich habe die Vorwürfe sehr ernst genommen. Zentral war für mich immer das Wohl der Angestellten und der Bewohner und dass die Pflege trotz Führungsproblemen nicht leidet. Nach Abschluss aller Untersuchungen werde ich Bilanz ziehen. Würden Sie Ihrer Mutter immer noch einen Aufenthalt im Adliswiler Alters- und Pflegeheim empfehlen? Sofort. Warum? Weil es ein gut geführtes Alters- und Pflegeheim ist. Ich bin überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr gute Arbeit leisten und dass die Probleme im Kader keine Auswirkungen auf die Pflege hatten. Ich war in den letzten Wochen oft hier, besuchte zum Beispiel die Weihnachtsfeier mit den Bewohnern. Es herrscht eine gute Atmosphäre. Gut geführt? Sie meinen «inzwischen gut geführt». Genau. Susy Senn sieht die Krise heute auch als Chance.Foto: Silvia Luckner

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