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Zürich fehlt es an gutem Ackerland

Der Kanton erfüllt das Soll an Fruchtfolgeflächen nicht. Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen werden es daher künftig schwerer haben.

Von Helene Arnet Zürich – Nun steht es fest: Der Kanton Zürich hat zu wenig hochwertiges Ackerland. Die Baudirektion hat den Bestand an Fruchtfolgeflächen (vgl. Stichwort) überprüft und kommt auf 39 210 Hektaren – der Bund verlangt 44 400 Hektaren. Die Baudirektion schreibt in ihrer Mitteilung, der Mindestumfang werde «knapp» nicht eingehalten. Der Zürcher Bauernverband lässt diese Formulierung so nicht einfach gelten: «Gemäss der bisherigen Definition fehlen 4500 Hektaren, das ist nicht knapp, das sind 10 Prozent», sagt Bauernsekretär Ferdi Hodel. Ob knapp oder deutlich, eines ist klar: Es wird schwieriger, ausserhalb des kantonalen Siedlungsgebiets zu bauen. Die unterschiedliche Einschätzung von Baudirektion und Bauernverband gründet unter anderem darin, dass die Baudirektion darauf zählt, dass der Bund künftig einen gewissen Teil von mittelmässigem Ackerland als Fruchtfolgefläche anrechnet: Damit käme Zürich auf 44 350 Hektaren. «Das ist eine Neudefinition der Fruchtfolgeflächen, die noch eingehender geprüft werden muss», sagt Hodel. Natürlich sei es den Bauern recht, wenn dadurch auch etwas weniger gutes Ackerland geschützt werde. «Es geht aber nicht an, dass man einfach die Anforderungen senkt und dann sagt, wir haben ja fast genug.» Das sei auch nicht die Absicht der Baudirektion, entgegnet Marco Pezzatti, stellvertretender Amtschef der Baudirektion. «Die Anforderungen an Fruchtfolgeflächen sollen hoch bleiben, und wir werden bei Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen noch strenger hinschauen.» Würden künftig Fruchtfolgeflächen überbaut, bestehe grundsätzliche Kompensationspflicht. Das heisst konkret: Gehen bei einem Strassenbau Fruchtfolgeflächen verloren, muss die abgetragene Humusschicht andernorts auf einem nicht so guten Ackerboden aufgetragen werden, um diesen zu einer neuen Fruchtfolgefläche aufzuwerten. Mit diesem Vorgehen setze sich Zürich im landesweiten Vergleich «an vorderster Front für den Erhalt der besten Ackerböden» ein, sagt Pezzatti. Für ihn ist dieser Befund «eigentlich ein Wunschresultat», da es die bisherige Stossrichtung bekräftige und bei der Sensibilisierung für die Bodenknappheit helfe. «Wir können nun klar zeigen: Warnleuchte orange – es wird knapp.» Der Bauernverband erwartet Handfesteres als eine Sensibilisierung. «Es darf schlichtweg kein Boden mehr der landwirtschaftlichen Produktion entzogen werden», sagt Hodel. Strenge Auflagen für Golfplätze Verunmöglicht der nun klar festgestellte Mangel an genügend Fruchtfolgeflächen die Realisierung neuer Golfplätze? Golfplätze werden meist in der Ebene und ausserhalb des Siedlungsgebiets geplant, wo oft noch gutes Ackerland liegt. Im derzeit umstrittensten Projekt von Mönchaltorf sind fast 90 Prozent als Fruchtfolgefläche deklariert. Die Gemeindeversammlung entscheidet am 3.?Februar über eine Umzonung. Und das Golfplatzprojekt in Bonstetten-Wettswil ist im April 2008 an einem seither viel zitierten Bundesgerichtsentscheid gescheitert, welcher den Verlust an Fruchtfolgeflächen moniert. In Zürich gilt laut Pezzatti die Praxis, dass Golfplatzland seine Deklaration als Fruchtfolgefläche nicht verliert, wenn es in Notzeiten innert Jahresfrist für die Produktion hochwertiger Nahrungsmittel genutzt werden kann. Deshalb bedeute die Tatsache, dass der Kanton das Soll an solchen Flächen nicht erfülle, nicht zwangsläufig ein Aus für weitere Golfplätze. «Unsere Auflagen des Bodenschutzes sind sehr streng, doch erfüllbar.» So sei kürzlich eine Erweiterung des Golfparks in Otelfingen möglich gewesen. Ferdi Hodel vom Zürcher Bauernverband hält dagegen: «Niemand hat bisher den Beweis erbracht, dass Golfplatzland so schnell wieder hergerichtet werden kann.» Auch Ökoflächen sind Thema Der Bauernverband wehrt sich nicht nur gegen neue Golfplätze, sondern auch dagegen, dass gutes Landwirtschaftsland von Staates wegen zu Ökoflächen umgenutzt wird und zusätzliche Pufferzonen ausgeschieden werden. «Die Zürcher Bauern haben den legitimen Anspruch, dass uns dieses Land jetzt und heute für die landwirtschaftliche Produktion zur Verfügung steht.» In Zürich werden 74 000 Hektaren Land landwirtschaftlich genutzt. Zürich ist damit – etwa gleichauf mit dem Aargau – der dritt- oder viertgrösste Ackerbaukanton der Schweiz. Pezzatti ist mit der Forderung des Bauernverbands, Fruchtfolgeflächen stringent zu schützen, einverstanden. Genau dieses Ziel werde auch in der Gesamtrevision des kantonalen Richtplans angestrebt, welcher ab dem 21. Januar öffentlich aufgelegt wird. «Wichtig ist, alles daranzusetzen, unsere Ackerböden für die landwirtschaftliche Produktion zu erhalten. Sie sind die Grundlage einer nachhaltigen Produktion von Nahrungsmitteln.»

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