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Zürich profitiert kaum vom geplanten Bahnausbau

Nur ein kleiner Teil der 9 Milliarden Franken, die der Bund in die Bahn steckt, fliesst nach Zürich.

Von David Schaffner, Bern Obwohl in keiner Region der Schweiz derart viele Bahnkunden unterwegs sind wie in Zürich, wird der Bund in den nächsten 15 Jahren wenig Geld ins Schienennetz rund um die grösste Stadt investieren: Von den knapp 9 Milliarden Franken, die der Bund für dringliche Bahnprojekte bis 2025 ausgeben will, sollen vor allem das Welschland, Basel, Bern und das Tessin profitieren. In Zürich stossen die Pläne von Verkehrsministerin Doris Leuthard deshalb auf heftige Kritik: FDP-Nationalrat Markus Hutter stört sich daran, dass der «Bund zu sehr auf föderale Empfindlichkeiten achtet und nicht konsequent dort Geld einsetzt, wo es der Wirtschaft etwas bringt». Besser wäre aus seiner Sicht, wenn Investitionen vor allem dort getätigt würden, wo künftig neue Arbeitsplätze entstehen. Die grüne Nationalrätin Marlies Bänziger spricht von einem «mutlosen Projekt und einem sinnlosen Flickenteppich». Wenigstens Geld für Bahnhöfe Enttäuscht zeigen sich auch die Zürcher Verkehrsbetriebe ZVV: «Die Ausbaupläne des Bundes sind kein Wunschszenario», macht Sprecher Thomas Kellenberger klar. «Wir bedauern vor allem, dass das Nadelöhr zwischen Zürich und Winterthur in den nächsten Jahren nicht beseitigt wird.» Der dafür benötigte Bau des Brüttener Tunnels bei Effretikon ist vorerst nicht vorgesehen. Ebenfalls auf die lange Bank geschoben hat Leuthard die Pläne für ein zweites Gleis im Zimmerbergtunnel zwischen Zürich und Zug sowie den Bau des Chestenbergtunnels im Aargau. Weiterhin auf überfüllte Züge einstellen müssen sich vor allem die zahlreichen Pendler zwischen Zürich und Bern: Der Chestenbergtunnel, der ursprünglich in den nächsten Jahren geplant war, hätte einen durchgehenden Viertelstundentakt ermöglicht. Eine derart hohe Frequenz will der Bund nun aber nur zwischen Genf und Lausanne finanzieren. «Zwischen Bern und Zürich ist vorerst nur ein Viertelstundentakt während der Stosszeiten geplant», erklärt Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamtes für Verkehr. Bereits heute fährt indes zwischen Zürich und Bern am Morgen teilweise alle 15 Minuten ein Zug. Ebenfalls kaum Entlastung auf dieser Strecke dürfte der angekündigte Ausbau der Zugkompositionen auf 400 Meter bringen. Zwischen Zürich und Bern fahren heute in den Stosszeiten bereits ähnlich lange Züge. Dabei sind allerdings nicht durchgehend zweistöckige Wagen im Einsatz, wie dies künftig der Fall sein soll. Kellenberger vom ZVV betont, «dass Zürich darauf hofft, wenigstens bei den Investitionen in die Bahnhöfe stark berücksichtigt zu werden». Insgesamt 500 Millionen will der Bund in die Publikumsanlagen stecken. Weiter fordert Kellenberger, dass «der Bund bald Klarheit schafft, wann und wie er die für Zürich und die umliegenden Kantone wichtigen Strecken ausbauen will». Ausbau der Infrastruktur Kommentar: Es ist richtig, zuerst die bestehenden Strecken auszubauen. – Seite 2Grosse Würfe seien derzeit nicht möglich, sagt ein Verkehrsexperte. – Seite 3

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