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Zürichsee-Weine sind begehrt Winzer ernteten bis zu 40 Prozent weniger

Die Winzer im Bezirk Meilen verkaufen ihren Wein vor allem in der Region. Neuzuzüger und ausländische Bewohner stehen auf die regionalen Weinprodukte.Es wird nicht viel Wein aus dem Jahr 2010 geben. Das Wetter war zu schlecht.

Weinqualität 2010 liegt im Durchschnitt Von Patrick Gut Kälte und Regen während der Blüte haben die Traubenernte 2010 mager ausfallen lassen – auch im Bezirk Meilen. Bei verschiedenen Traubensorten lag der Ertrag gar unter dem kantonalen Mittel. «Am Zürichsee blühen die Reben ein paar Tage früher als im übrigen Kanton», sagt Andreas Wirth, der kantonale Rebbaukommissär. Just mit Beginn der Blüte sei es Mitte Juni kühl und feucht geworden. Das habe letztlich gerade in der Zürichseeregion den Ertrag geschmälert. Vom tiefen Ertrag profitierte der Zuckergehalt, der in Oechslegrad gemessen wird. Im Bezirk kommt der Blauburgunder auf 89,5 Oechslegrad, was laut Wirth ein mittlerer Wert ist. Die Weinbauern im Bezirk bestätigen die Einbussen. Beim Stäfner August Pünter etwa sind es rund 20 Prozent weniger Wein als üblich. Pünter produziert mit seinen vier Hektaren in einem durchschnittlichen Jahr rund 200 Hektoliter Wein. Bei Reto Honegger, der in Stäfa rund 2,5 Hektaren bewirtschaftet, zeigt sich je nach Sorte ein sehr unterschiedliches Bild. Beim Räuschling sei die Ernte 30 bis 40 Prozent tiefer ausgefallen als normal. Bei anderen Sorten sind es zwischen 5 und 15 Prozent. Honegger stellt jährlich rund 150 Hektoliter Wein her. Der Uetiker Weinbauer Erich Meier beklagt bei den weissen Sorten Mindererträge von rund 15 Prozent. Bei den roten Sorten seien es lediglich 5 Prozent weniger als normal. Mit 4,5 Hektaren Anbaufläche gehört Meier zu den grösseren Weinbauern im Bezirk. Er produziert pro Jahr 300 Hektoliter Wein. Einen Minderertrag von 25 Prozent vermeldet Alain Schwarzenbach vom Meilemer Weingut Reblaube. Mit rund 6,9 Hektaren Anbaufläche produzieren Schwarzenbachs rund 350 Hektoliter Wein in einem durchschnittlichen Jahr. Schwarzenbach mag nicht jammern. Er verweist auf die letzten zehn Jahre, in denen der Ertrag meist sehr gut war. «Wir müssen auch mit einem etwas schlechteren Jahr leben können.» Von Patrick Gut Dem Wein aus der Region haftet das Etikett «sauer» nicht mehr an – einheimische Weine sind dieses Jahr im Trend. «80 Prozent meiner Kunden kommen aus einem Umkreis von fünf bis zehn Kilometern», sagt der Uetiker Weinbauer Erich Meier. Das liege nicht zuletzt am Bauboom. Zu Meiers Kundschaft gehören neben Alteingesessenen zunehmend Neuzuzüger. «Sie tischen ihrem Besuch gerne einen Wein auf, der vor der Tür wächst», sagt Meier. «Zürichsee-Wein ist in», sagt der Stäfner Weinbauer August Pünter. Neben Neuzuzügern habe das ökologische Denken einen Einfluss. «Manch einer bevorzugt Wein aus der Region gegenüber einem Produkt, das aus Übersee in die Schweiz transportiert werden muss.» Unbekanntes Weinland Alain Schwarzenbach vom Meilemer Weingut Reblaube verkauft ebenfalls einen Grossteil des Weins in der engeren Region. Zu den guten Kunden zählen laut Schwarzenbach nicht zuletzt Ausländer, die für ein paar Jahre in der Region leben. Sie würden sich sehr für den Wein vom Zürichsee interessieren. Da der überwiegende Teil des Schweizer Weins im Inland konsumiert werde, sei die Schweiz vielen Ausländern als Wein produzierendes Land völlig unbekannt. Was die Qualität angeht, zeigen sich die regionalen Weinproduzenten selbstbewusst: «Wir können mit internationalen Standards absolut mithalten», sagt Erich Meier. «Unser Wein entsteht im Rebberg und wird im Keller veredelt.» Das Jahr widerspiegle sich in der Flasche, und so unterscheide sich jeder Weinjahrgang. «Wir müssen uns mit unseren Weinen nicht verstecken», sagt August Pünter. Und Reto Honegger meint: «Jeder Weinbauer hat seine Handschrift.» Kaum höhere Preise Die Weinernte 2010 gehört nicht zu den besten, wie die Winzer sagen (siehe Artikel rechts). Trotzdem will keiner der angefragten Weinbauern die Preise anheben – selbst wenn es mit dem Angebot knapp werden sollte. «Wir müssen der Kundschaft Sorge tragen», sagt dazu etwa Reto Honegger. Und wenn die Ernte besser ausfalle, würde man die Preise pro Flasche ja auch nicht senken. Alain Schwarzenbach: «Wir müssen auch mit einem etwas schlechteren Jahr leben können.»Foto: Silvia Luckner

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