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Zwei Jungunternehmer züchten neue Antikörper für die Krebstherapie

Die Biotechnologen Oliver Middendorp und David Urech haben sich in Wädenswil selbstständig gemacht. Mit ihrer Firma wollen sie die Pharmaindustrie mit effizienten Antikörpern versorgen.

Von Bettina Ledergerber Wädenswil – Die Jungunternehmer Oliver Middendorp (38) und David Urech (37) betreiben in einem ehemaligen Industriegebäude an der Einsiedlerstrasse in Wädenswil ein Biotechnologieunternehmen samt Labor. Urech und Middendorp tauften ihr Unternehmen Numab. Die Abkürzung mab steht für «mono- clonal antibody». Monoklonale Antikörper spielen eine wichtige Rolle, weil sie sich gegen kleine, zu bekämpfende Bestandteile, zum Beispiel im Blut oder gegen Proteine auf der Zelloberfläche, richten können. Um monoklonale Antikörper erforschen und produzieren zu können, haben Urech und Middendorp eine bestehende Technologie weiterentwickelt, auf einem Teil davon sogar das Patent angemeldet. Das Verfahren kann ganz bestimmte Antikörper effizienter isolieren. Diese erkennen und neutralisieren auch Moleküle, die für Antikörper bisher nicht zugänglich waren. Das Spektrum der möglichen therapeutischen Ansätze kann damit in zahlreichen menschlichen Erkrankungen erweitert werden. Urech und Middendorp haben sich zum Ziel gesetzt, mit Numab medizinische Bedürfnisse anzugehen, die mit konventionellen Therapeutika nicht befriedigt werden können. Bei der Numab wird viel mit gentechnisch veränderten Zellen hantiert. Für die Bewohner der Stadt Wädenswil bestehe aber kein Grund zur Sorge, versichern die Jungunternehmer. Ausserhalb des Labors an der Einsiedlerstrasse sind die Organismen nicht überlebensfähig. Alles auf eine Karte gesetzt Welchen Patienten die Produkte von Numab einst nützen werden, ist geheim. Middendorp und Urech wollen auch in der lukrativen Krebstherapieforschung mitmischen. Beim Bund haben sie sich für ein grosses Forschungsprojekt beworben, und mit der benachbarten Hochschule (ZHAW) haben sie einen Kollaborationsvertrag unterschrieben. Die Wädenswiler Gründerorganisation Grow nahm sie unter ihre Fittiche, und die Immobilienfirma Tuwag stellte ihnen erst ein kleines Büro für die Vorbereitungsarbeiten und schliesslich den Betriebssitz auf ihrem Areal zur Verfügung. Numab finanziert sich momentan hauptsächlich dank einer Zusammenarbeit mit einem Pharmaunternehmen. Der Druck, möglichst schnell kräftige Investoren zu finden, ist deshalb etwas gesunken. Auch in diesem Sinne sei ihnen der Start gut geglückt, sagt Urech. Für den Schritt in die Selbstständigkeit haben der Hombrechtiker Urech sowie der Winterthurer Middendorp Mut gebraucht. Beide sind Väter kleiner Kinder. Aber wenn sie über ihr Unternehmen sprechen, versprühen sie Euphorie. «Wir haben alles auf eine Karte gesetzt», sagt Urech. Sie haben Numab in neun Monaten aufgebaut, ohne zu wissen, ob aus der Idee ein Labor in Wädenswil würde. «Die Zeit fehlte, um richtig daran zu zweifeln, was wir uns vorgenommen haben.» Kennen gelernt haben sich Middendorp und Urech vor über zehn Jahren an der Universität Zürich. Beide haben Molekularbiologie sowie Biochemie studiert, später ihre Karrieren in einem Schlieremer Biomedizinunternehmen fortgesetzt. Platz für 16 Angestellte Die Form der Co-Geschäftsleitung ist ungewöhnlich in der Branche. Urech und Middendorp strahlen aber Vertrauen aus und bekräftigen, dass ihre Freundschaft nicht gefährdet sei. «Wir kennen unsere Stärken und Schwächen genau, das macht uns effizient», sagt Urech. Er kümmert sich mehr um den wissenschaftlichen Bereich, während Middendorp für die Unternehmensentwicklung zuständig ist. Er sei «stolz und froh, bereits ein kleines Team an hoch qualifizierten Wissenschaftlern» zu haben. Sie beschäftigen zwei Bereichsleiter und drei wissenschaftliche Mitarbeiter. Das Labor bietet Platz für 16 Angestellte, die eines Tages gleichzeitig forschen können. Oliver Middendorp und David Urech in ihrem neuen Labor. Foto: Manuela Matt

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