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Zwei Straftage für schwierige Schüler

Der Kantonsrat erleichtert den Schulausschluss. Neu darf ihn die Schulleitung verfügen.

Von Daniel Schneebeli Zürich – Wenn in der Schule disziplinarische Probleme eskalieren, stecken Lehrer und Behörden im Dilemma. Weil die Volksschule obligatorisch ist, dürfen sie die fehlbaren Jugendlichen nicht ausschliessen, auch wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. Ganz machtlos sind die Behörden gleichwohl nicht. Für vier Wochen dürfen die Schulpflegen Querulanten vom Unterricht wegweisen, in ein Time-out. Dort werden die verhaltensauffälligen Schüler mit nicht schulischen Aufgaben betraut. Viele arbeiten körperlich, werden aber von pädagogisch geschulten Fachleuten angeleitet und betreut. Dabei lernen die Jugendlichen, sich in eine Gruppe zu integrieren, pünktlich und zuverlässig zu sein.Gestern hat der Kantonsrat beschlossen, diese Lösung auszubauen. Grund: Die Erfahrungen damit sind gut, aber vier Wochen reichen nicht aus. Deshalb will der Rat die Time-outs nun auf zwölf Wochen verlängern.Zudem entschied der Rat mit 118 zu 31 Stimmen, dass neu die Schulleiter einen schwierigen Schüler für maximal zwei Tage vom Unterricht wegweisen können, ohne die Schulpflege um Erlaubnis zu bitten. Die Grünen und ein Teil der SP wehrten sich gegen diese Regelung. Sie zweifelten unter anderem daran, ob eine kurze Wegweisung ihren Zweck erfülle. «Vielleicht ist es gar keine Strafe, wenn man zwei Tage zu Hause bleiben darf», sagte Markus Späth (SP, Feuerthalen). Er befürchtet gar, dass die Wegweisung kontraproduktiv sei, weil sich schulmüde Jugendliche einen Sport daraus machen könnten, zwei Straftage mit ungebührlichem Verhalten zu erzwingen.Die Mehrheit des Rates war aber anderer Meinung. Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen) sprach von einem «Schuss vor den Bug» von frechen Schülern, Kurt Leuch (EVP, Oberengstringen) von einem «Signal an die Schüler», von einem «Notfall-Szenario». Auch Stefan Dollenmeier (EDU, Rüti) hatte Sympathie für diese Strafe: «Wer nicht hören will, muss fühlen.» Und die FDP wollte mit ihrem Ja vor allem die Kompetenzen der Schulleiter stärken. Erziehungskurse für Eltern Neben der Neuregelung des Schulausschlusses hat der Rat andere kleine Änderungen am erst sechs Jahre alten Volksschulgesetz beschlossen. Sabine Wettstein (FDP, Uster) sprach von «Garantiearbeiten». Umstritten war, ob die Gemeinden verpflichtet werden sollen, Jugendlichen bei besonderen Umständen Nachhilfeunterricht zu zahlen – etwa bei einem Zuzug aus einem anderen Schulsystem oder nach langer Krankheit. Die SVP empfand das als einen Eingriff in die Gemeindeautonomie und als «unnötige Bürokratie», wie Matthias Hauser sagte. Sie blieb aber in der Minderheit. Der Rat beschloss die Nachhilfepflicht mit 110 zu 49 Stimmen. Unbestritten war die Einführung von obligatorischen Erziehungskursen für Eltern, die ihren Pflichten nicht oder ungenügend nachkommen.

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