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Sechs Jahre Gefängnis für brutale Vergewaltigung

Ein 52-jähriger Kosovare wurde in Zürich verurteilt. Der Gerichtsvorsitzende äusserte sich schockiert über die Tat.

Bestätigt: Das Obergericht folgte dem Bezirksgericht.
Bestätigt: Das Obergericht folgte dem Bezirksgericht.
Urs Jaudas

Wer da vor Gericht stand, war für die Rechtsvertreterin des Opfers klar: «Ein Frauenhasser und Tyrann der übelsten Sorte» sei das, hatte sie schon vor dem Bezirksgericht gesagt.

Und auch wenn sie das vor dem Obergericht in gleichen Worten nicht mehr wiederholte, gab es keinen Zweifel, dass sie ihre Meinung über den mittlerweile 52-Jährigen nicht im Geringsten geändert hat.

Gemeinschaftlich begangene Vergewaltigung

Denn auch mittlerweile zehn Jahre nach den traumatischen Erlebnissen kämpft das Opfer noch «jeden Tag um ein bisschen Lebensmut». Ein Opfer, das damals, grad knapp 17-jährig, am Anfang seiner sexuellen Entwicklung stand und zwei Erfahrungen machen musste, die ihm den Boden unter den Füssen wegzogen. «Ich habe in meiner Richterzeit noch selten einen solch brutalen Vergewaltigungsfall gesehen», sagte der vorsitzende Oberrichter Rolf Naef in der Urteilseröffnung.

Deshalb an dieser Stelle nur soviel: Damals, im Frühjahr 2008, befand sich das Mädchen in der Wohnung des Beschuldigten und wartete auf ihren damaligen Freund, den Sohn des Beschuldigten. Da kam der Mann ins Zimmer seines Sohnes und vergewaltigte das Mädchen anal.

Etwa zwei Monate später füllte das Mädchen in einer kleinen Zweitwohnung des Vaters den Kühlschrank, als er mit zwei Kollegen überraschend auftauchte. Während die beiden Kollegen das Mädchen nacheinander vergewaltigten, geilte sich der Vater an der Szene auf und masturbierte dazu. Anschliessend liessen sie das blutig gewordene Bettlaken verschwinden.

Der Sohn bringt den Vater ins Gefängnis

Es dauerte acht Jahre, bis die junge Frau «das Unfassbare in Worte fassen» konnte, wie es ihre Rechtsvertreterin formulierte. Die junge Frau hatte darüber mit ihrem neuen Freund sprechen müssen, weil diesem ihr in gewissen Situationen sonderbares Verhalten aufgefallen war. Schliesslich konfrontierte er auch ihren Ex-Freund mit den Fakten.

Dieser glaubte seiner Ex-Freundin, wandte sich an die Polizei und zeigte seinen Vater wegen Vergewaltigung an. Von Anfang an bestritt der Vater die Vorwürfe vehement. Das sei alles «erstunken und erlogen. Das hat nie stattgefunden». Er sei das Opfer einer Intrige geworden. Hinter dem Komplott stecke das angebliche Opfer, sein Sohn, der neue Freund des Opfers und seine Ehefrau.

Strafmass bestätigt

Weder das Bezirks- noch das Obergericht glaubten dem 52-Jährigen auch nur ein Wort. Was er behaupte, sei «absolut lebensfremd». Wie kämen Leute, die sich teilweise nicht einmal kennen, dazu, bei einem Komplott mitzumachen? Natürlich sei es schwer verständlich, dass die junge Frau acht Jahre gewartet habe, um über das Vorgefallene zu sprechen.

Es sei aber nichts Aussergewöhnliches, dass Opfer nach solch «gravierend dramatischen Erlebnissen» für längere Zeit nicht darüber sprechen könnten. Die junge Frau habe dafür eine absolut nachvollziehbare Begründung geliefert und in den anschliessenden, auf Video aufgezeichneten Befragungen zu den Delikten «sehr überzeugende Aussagen» gemacht.

Ein Fall fürs Migrationsamt

Weil die Staatsanwaltschaft auf eine Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil verzichtet hatte, durfte das Obergericht die Strafe nicht erhöhen. Es bestätigte sowohl die Verurteilung wegen sexueller Nötigung und gemeinschaftlich begangener Vergewaltigung wie auch die Freiheitsstrafe von sechs Jahren und die Genugtuung von 20'000 Franken für das Opfer.

Eine Landesverweisung konnte das Gericht nicht aussprechen, weil das entsprechende Gesetz im Jahre 2008 noch nicht in Kraft war. Ob der seit dreissig Jahren in der Schweiz lebende Mann, mit dem seine Familie gebrochen hat, nach Verbüssung der Strafe ausgeschafft wird, wird das Migrationsamt zu gegebener Zeit zu entscheiden haben.

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