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Ungewissheit über «Brudermord» belastet Elgg

Die Familie des 22-jährigen Studenten, der von seinem 16-jährigen Bruder getötet worden sein soll, wohnt seit der Tat nicht mehr im Haus.

Die Verwandten des 22-jährigen Studenten, der von seinem 16-jährigen Bruder getötet worden sein soll, wohnt seit der Tat nicht mehr im Haus in Elgg.
Die Verwandten des 22-jährigen Studenten, der von seinem 16-jährigen Bruder getötet worden sein soll, wohnt seit der Tat nicht mehr im Haus in Elgg.
Steffen Schmidt, Keystone

Die Eingangstür ist mit einem blau-weissen Polizeikleber versiegelt, die Tür, die in den Garten führt, mit einem orangen Klebeband. Die Eltern und die Schwester wohnen offenbar seit dem «Brudermord» vom letzten Freitagabend nicht mehr im zweitstöckigen Haus am Ortsrand des historischen Landstädtchens bei Winterthur. «Seit einer Woche habe ich niemand mehr gesehen», sagt ein Handwerker, der regelmässig am Haus vorbeigeht.

Er ist ebenso ratlos wie die anderen befragten Bewohner der 4000-Seelen-Gemeinde. Niemand kann sich ein Motiv für die Tat vorstellen. Fast alle kennen ein Mitglied der fünfköpfigen Familie. Die Eltern wohnen seit Jahrzehnten in der Gemeinde, die drei Kinder sind dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Es ist kein böses Wort über den mutmasslichen 16-jährigen Täter zu hören. Leute, die ihn kennen, und Mitschüler beschreiben ihn als nett, umgänglich und unauffällig. Auch vom Opfer, einem 22-jährigen Germanistikstudenten, ist nichts Negatives zu hören. Er sei klug, engagiert und quirlig gewesen, sagen Bekannte. Der Bassist und Sänger einer Winterthurer Hip-Hop-Band wird als talentierter, kreativer Musiker und geschätzter Mensch beschrieben.

Niemand weiss, wie das Opfer getötet wurde. Diese Ungewissheit ist im Dorf zu spüren. «Das belastet sehr», sagt ein Nachbar. Die Kollegen der beiden Brüder sind betroffen und traurig. Der Sekundarschüler wurde noch am gleichen Tag in Zürich verhaftet. Warum er nicht in Elgg blieb und flüchtete, ist ein Rätsel. «Vielleicht stand er unter Schock und ist einfach davongefahren», mutmasst ein 20-jähriger Elgger, der ihn kannte.

Spekulationen über Waffe und Motiv

Die Medien haben in den letzten Tagen über Waffe und Motiv spekuliert. Einmal sollen es die schlechten Noten gewesen sein, die in einen Streit mit dem erfolgreichen Studenten gipfelten. Ein anderes Mal werden Frauen und Eifersucht genannt. Der Winterthurer Sender Tele Top will wissen, dass es sich bei der Tatwaffe um einen Hammer handelt: Bei einem Streit unter den Brüdern sei der ältere mit einem Küchenmesser auf den 16-Jährigen losgegangen. Dieser habe sich mit einem Hammerschlag auf den Kopf seines Bruders verteidigt.

Eine Nachbarin fasst die Tragödie mit folgenden Worten zusammen: «Die Eltern haben zwei Söhne verloren.»

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