Zweiter Anlauf in der Aufholjagd

Mit dem Korando möchte Ssangyong Hyundai und Kia angreifen. In der Schweiz dürfte das nicht klappen.

Der neue Ssangyong Korando sieht attraktiv aus und bietet bei 4,45 Meter Länge in beiden Sitzreihen mehr Platz denn je. Foto: PD

Der neue Ssangyong Korando sieht attraktiv aus und bietet bei 4,45 Meter Länge in beiden Sitzreihen mehr Platz denn je. Foto: PD

Dass sie in Korea solide SUV bauen können, haben Hyundai und Kia zur Genüge bewiesen. Doch bei allem Erfolg von Modellen wie dem Hyundai ix35 oder dem Kia Sportage wird der Dritte im Bunde gerne vergessen – Ssangyong. Dabei ist das die eigentliche SUV-Marke, die zumindest für den Export gar keine klassischen Personenwagen im Angebot hat. Doch ein Blick auf die Verkaufszahlen in der Schweiz zeigt, warum Ssangyong hierzulande oft vergessen wird – die Marke hat bis Ende August erst 321 Fahrzeuge abgesetzt. Und das sind 39,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Doch weil er die Statistenrolle langsam leid ist, müht sich der kleinste Koreaner redlich, um aus dem Schatten der beiden Grossen herauszutreten, und macht dazu jetzt mit dem neuen Korando den nächsten Schritt. Denn wenn die vierte Generation des VW-Tiguan­Rivalen an den Start geht, sieht der nicht nur vergleichsweise gut aus und bietet bei nun 4,45 Meter Länge und 2,68 Meter Radstand in beiden Sitzreihen mehr Platz denn je und zwischen 551 und 1248 Litern Kofferraum. Sondern vor allem Ambiente, Ausstattung und Assistenzsysteme sind jetzt auf der Höhe der Zeit.

Magere Motorenpalette

So blickt der Fahrer in komplett digitale Instrumente mit zahlreichen Darstellungsoptionen, die Finger fliegen über einen ordentlich integrierten Touchscreen, aus den Konsolen schimmert fast holografisch eine Ambientebeleuchtung, und so sehr das ganze Gebimmel und Geblinke auch nervt, wacht der Korando über seine Insassen wie eine fürsorgliche Mutter. Erstmals gibt es eine Abstandsregelung und Spurführung mit Lenkeingriff, es gibt eine Auffahrwarnung und einen Querverkehrswarner, und selbst wer unbedacht die Tür öffnet, wird im Zweifel gewarnt, wenn sich von hinten ein anderes Auto nähert. Ausserdem bieten die Koreaner nun auch eine elektrische Heckklappe an, die Sitze sind klimatisiert, und zumindest in der besten Ausstattungsvariante gibt es mittlerweile sogar LED-Scheinwerfer. Was da noch fehlt, ist eigentlich nur noch die verschiebbare Rückbank.

Das Cockpit dominieren Digitalinstrumente und ein Touchscreen. Foto: PD

Während Ssangyong bei den Assistenten klotzt, wird beim Antrieb nur gekleckert: Zum Start gibt es den Korando einzig mit einem 1,6 Liter grossen Diesel, der magere 136 PS leistet und sich vor allem im Zusammenspiel mit der kraftzehrenden Automatik ein bisschen schwertut. Ja, die Gangwechsel sind jetzt viel harmonischer als früher, und das raue Knurren des Vierzylinders ist passé. Doch so richtig eilig darf man es mit dem Korando nicht haben: Mit einem Drehmoment von gerade einmal 320 Nm dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h gefühlte zehn, eher zwölf Sekunden, und auf der Autobahn fühlt sich der neuste Ssangyon auch nicht sonderlich dynamisch an.

Gefahr der Kannibalisierung

Selbst wenn der Diesel im besten Fall mit fünf Litern zufrieden ist, freut man sich deshalb schon auf den Benziner, den Ssangyong noch in diesem Jahr nachreichen will. Der holt aus nur 1,5 Litern dank einem Turbo und der Direkteinspritzung immerhin 163 PS und wenigstens noch 280 Nm. Zwar bleibt es vorerst bei diesen beiden Motoren, und ob die für Ende 2020 angekündigte Elektroversion dann auch noch Korando heissen wird, ist noch nicht entschieden. Doch bringen die Koreaner zumindest über Antrieb und Getriebe ein wenig Varianz ins Spiel. Denn beide Motoren gibt es wahlweise mit Front- oder aber mit Allradantrieb und neben dem Handschalter immer auch mit sechsstufiger Automatik.

Vom neuen Korando profitiert übrigens auch sein kleiner Bruder Tivoli. Denn der bekommt zur Hälfte der Laufzeit nicht nur die gleichen Motoren, sondern auch dasselbe digitale Cockpit sowie die meisten Assistenzsysteme und startet zum gleichen Termin. Nur dass die Koreaner für 20 Zentimeter weniger Auto deutlich weniger Geld verlangen.

Verlierer in diesem Spiel könnte ausgerechnet das Auto werden, mit dem die Aufholjagd des kleinsten Koreaners begonnen hat – das Flaggschiff Rexton. Denn das sieht jetzt nach nur zwei Jahren plötzlich ganz schön alt aus.

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