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Sechs Wochen vor dem AusschiessetZwingt Corona den Fulehung in die Knie?

Sechs Wochen vor dem Ausschiesset ist noch völlig unklar, ob und wie das Thuner Volksfest in diesem Jahr stattfinden kann. Fest steht lediglich: Es soll Anlässe für die Kadetten geben.

Wird es ein solches Bild in diesem Jahr gar nicht geben? Der Fulehung und Kadetten an einem Umzug durch die Thuner Innenstadt.
Wird es ein solches Bild in diesem Jahr gar nicht geben? Der Fulehung und Kadetten an einem Umzug durch die Thuner Innenstadt.
Foto: Patric Spahni

Der Fulehung, der Kinder scharenweise durch die Stadt jagt und ihnen Täfeli verteilt. Unzählige Menschen, welche die Trottoirs und Strassen säumen, um die Umzüge oder das Gesslerschiessen der Kadettinnen und Kadetten zu verfolgen. Volle Bars und Beizen. Und immer und überall Menschen, die feiern: Das sind die Ingredienzen des Thuner Ausschiessets, eines Volksfests eben, das von Austausch und Nähe lebt.

Doch all das, was den Ausschiesset ausmacht, steht nun auf der Kippe. Corona wird, davon kann man heute bereits ausgehen, auch wenn noch kein offizieller Beschluss vorliegt, den Thuner Ausschiesset auf den Kopf stellen und ihm sein eigenes Programm aufzwingen.

Gemeinderat entscheidet noch im August

Organisatorin des Ausschiessets ist die Kadettenkommission. Diese überlegt sich derzeit zusammen mit der Korpsleitung Szenarien für die verschiedenen Programmteile. Allerdings lässt sich der neue Kadettenkommissionspräsident Christoph Nydegger dabei nicht in die Karten blicken: «Weil sich die Ausgangslage laufend verändert, ist es noch zu früh, um etwas zu kommunizieren. Was wir jetzt planen, kann in einer Woche nicht mehr gültig sein», sagt er nur und betont dabei den regen Austausch mit der Stadt und der städtischen Corona-Taskforce und der Taskforce Schulen.

«Der Ausschiesset ist ein Volksfest, welches auch vom Austausch und der Nähe lebt. Ob hier die Vorgaben des Bundes eingehalten werden können, ist für mich sehr fraglich.»

Stadtpräsident Raphael Lanz

Etwas mehr entlocken lässt sich Stadtpräsident Raphael Lanz: «Es ist vorgesehen, dass die Kadettenkommission die Szenarien mit den anderen Gremien vorbespricht und sie dann dem Gemeinderat als Vorschlag unterbreitet.» Aufgrund der Wichtigkeit des Ausschiessets für Thun werde der Gemeinderat dann den definitiven Entscheid fällen. «Ich gehe davon aus, dass dies spätestens in der zweiten Augusthälfte sein wird und wir eine gemeinsame Lösung mit allen Beteiligten finden werden», zeigt sich Lanz zuversichtlich.

Stadtpräsident zeigt sich kritisch

Ausschiesset in Thun. Grosse Menschenansammlungen wie hier beim Gesslerschiessen wird es in diesem Jahr wohl nicht geben.
Ausschiesset in Thun. Grosse Menschenansammlungen wie hier beim Gesslerschiessen wird es in diesem Jahr wohl nicht geben.
Foto: Patric Spahni

Auch wenn noch vieles unklar ist und man erst die weitere Entwicklung abwarten will, macht Stadtpräsident Lanz bereits jetzt grosse Vorbehalte: «Grundsätzlich ist der Ausschiesset für Thun sehr wichtig, aber wir können nicht unverantwortbare Risiken eingehen», sagt er. Leider seien aktuell wieder steigende Fallzahlen zu verzeichnen, weshalb aus heutiger Sicht insbesondere die Programmteile mit sehr vielen Zuschauern kritisch betrachtet werden müssten. «Der Ausschiesset ist ein Volksfest, welches auch vom Austausch und der Nähe lebt. Ob hier die Vorgaben des Bundes eingehalten werden können, ist für mich sehr fraglich.»

Auch wenn Raphael Lanz keine konkreten Anlässe nennt: Programmpunkte wie die Auftritte des Fulehung, die Umzüge der Kadetten, die öffentliche Kranz- und Preisverteilung oder das Gesslerschiessen dürften daher äusserst fraglich sein. Bereits jetzt ist klar, dass der Ball für die Ehemaligen, der Ausschiessetball, abgesagt ist.

Wir sind bestrebt, dass zumindest für die Kadettinnen und Kadetten der Höhepunkt des Kadettenjahres in irgend einer Form durchgeführt werden kann.»

Kadettenkommissionspräsident Christoph Nydegger

Andere Programmteile wie etwa das Kleinkaliberschiessen der Kadetten, wo ein Contact-Tracing möglich sei und Schutzkonzepte angewendet werden können, scheinen für Raphael Lanz etwas weniger kritisch. Das sieht auch Kadettenkommissionspräsident Christoph Nydegger so, dem es sehr wichtig ist, «dass zumindest für die Kadettinnen und Kadetten der Höhepunkt des Kadettenjahres in irgend einer Form durchgeführt werden kann».

Kadettenanlass in Thun statt Kadettentage

Bereits jetzt steht fest, dass ein weiterer Höhepunkt des Kadettenjahres, die Kadettentage, in diesem Jahr nicht stattfinden. «Das OK ist zum Schluss gekommen, dass der Anlass aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht durchgeführt werden kann», teilen die Organisatoren aus Langenthal mit. Das OK bedaure sehr, dass es nach den erfolgreichen Kadettentagen 2019 am 5./6. September 2020 nicht zur geplanten zweiten Durchführung in Langenthal komme. Die nächsten Schweizerischen Kadettentage werden voraussichtlich am 4. und 5. September 2021 in Burgdorf stattfinden.

Für die Thuner Kadetten haben die Zuständigen nun eine Alternative auf die Beine gestellt: Am 5. September soll ein Kadettenanlass in Thun stattfinden, damit sich die Kadettinnen und Kadetten zumindest untereinander in verschiedenen Disziplinen messen können. Die Resultate sind schliesslich auch für die Kranz- und Preisverteilung unerlässlich. Völlig unabhängig davon, in welchem Rahmen diese stattfinden wird…

Ein Bild von den letztjährigen Kadettentagen in Langenthal. Die zweite Austragung vom 5. und 6. September 2020 wurde nun abgesagt.
Ein Bild von den letztjährigen Kadettentagen in Langenthal. Die zweite Austragung vom 5. und 6. September 2020 wurde nun abgesagt.
Foto: Markus Grunder